„Too fat for a white tuxedo!“ Ein Treffen mit Jazztrompeter Bobby Shew.


Alle wirklich wichtigen Fragen sind kurz: „Willst Du mich heiraten?“, „Hat der Wagen noch TÜV?“ oder “ Wie war ich?“  In meinem Fall reichten zwei Worte, um erhöhtes Interesse auszulösen. „Schon gesehen?“

Es ist Montag, der 14. September, 21.30 Uhr. Das Handy kündigt eine SMS an: „Schon gesehen?“ schrieb ein befreundeter Posaunist. Noch bevor ich Zeit fand zu überlegen, was er meinen könnte, das nächste „Pling“, diesmal ein Bild. Ein konzentriertes Gesicht, die Augen hinter der Brille geschlossen, der Kapitän Hansen-Bart von einem Stück Metall leicht auseinander gedrückt: „Bobby Shew in Europe 2015“ steht unter dem Poster und „Trompeten Masterclass“  für 10 Euro. Das ist mal `ne Ansage.

Plakatwerbung von Just Music für die Bobby Shew Masterclass

Plakatwerbung für die Bobby Shew Masterclass in München.

Sofort buche ich einen Platz. Bobby Shew zählt zu den großen Trompetern des Jazz. Außerdem hat er zu einem der bekanntesten Anfängerbücher – Maiden Voyage – ein Play-Along eingespielt. Es enthält Soli zu berühmten Stücken wie Autumn Leaves oder Summertime. Jeder Track existiert doppelt, einmal mit, einmal ohne Bobby Shews Trompete. Dort, wo nur die Rhythmus-Gruppe zu hören ist, soll man selbst nachspielen. An der „Jungfern Fahrt“ übe ich schon ewig. Bobby weiß das natürlich nicht. Er weiß auch nicht, dass ich manchmal überhaupt nur deshalb weitermache, weil er so schön klingt. Bobby spielt alle Linien mühelos, ich nicht.

Und nun also: der Meister live, ein Autodidakt, der als Studiomusiker so ziemlich alles – außer Klassik – gespielt hat. Er hört klassische Musik sehr gerne – aber er mag sie nicht spielen, wie er später kokett bekennt. In der Klassik seien alle Töne so kristallklar und schön. Das reize ihn einfach nicht. Als wolle er beweisen, dass er nicht nur wisse, wovon er rede, sondern es auch könne, gibt er trotz harter Erkältung eine kurze Kostprobe. Sofort verwandelt sich der schnöde Vortragsraum mit abgehängter Decke in eine klingende Kathedrale. Für Sekunden strahlt der kosmische Glanz barocker Ordnung über uns Zuhörern. Rund 40 Trompeterinnen und Trompeter – darunter Amateure, Semi- und Vollprofis – werden andächtig still. Bobby selbst bricht das Schweigen, indem er gesteht, er habe von Anfang an immer Jazz spielen wollen. Seine großen Vorbilder sind die Meilensteine auf dem Weg der Jazzentwicklung. Das Kirchenschiff verdampft zur Jazzkneipe. Ragtime, Swing, Dschungle, Bebop, Cool Jazz – all das rauscht im Zeitraffer durch den Saal.

Jazztrompeter Bobby Shew bei Just Music in München während eines Meet and Greet Vortrags

Jazztrompeter Bobby Shew bei Just Music in München während eines Meet and Greet Vortrags (Foto: Elvira Steppacher)

Jetzt ist das Auditorium für die eigentliche Masterclass bereit. Uns steht ein dreistündiger Vortrag ins Haus, der nur selten von Musik unterbrochen wird. Wohl von Gelächter, denn Bobby ist ein kurzweiliger, unterhaltender Erzähler mit einer gehörigen Portion Selbsthumor. Ihn wundert es anscheinend wirklich, dass so viele Leute seinen Ausführungen lauschen, zumal die Essenz auf ein Flip Chart passe. Dennoch, sein übersichtlicher vier-Punkte-Plan reiche für ein ganzes Trompeter-Leben. Wenn man es richtig und ernsthaft angehe.

  1. Lippengefühl/und –Kontrolle.
  2. Bauchatmung (kombiniert mit Joga-Atmung)
  3. Ansatzkontrolle
  4. Mundstück

Während seiner Ausführungen wird deutlich, dass Bobby gerne Lehrer ist, er aber nichts davon hält, sich als Guru aufzuspielen. Das meiste beruhe ohnehin auf physikalisch-mathematischen Grundlagen – wer die beherzige, mache schon mal ziemlich viel richtig, der Rest sei Psychologie, und die passe nun definitiv nicht auf ein Chart.

“You can impress people to make you like you…” So peu à peu schält sich heraus, dass es neben dem Flipchart mindestens drei weitere Aspekte sind, die Bobby Shews Selbstverständnis als Lehrer und seine Auffassung von der wahren Bedeutung von Musik veranschaulichen.

  1. Das wichtigste sei der erste Ton. Solange der nicht stimme, brauche man gar nicht weiterzumachen. Denn das, erklärt er bestimmt, zugleich mit sichtlichem Gefallen an der Einprägsamkeit des Bildes, denn das sei wie mit Hundescheiße. Solange man die Füße nicht wirklich vom Dreck säubere, stinke jeder weitere Schritt.
  2. Das Zweitwichtigste sei von Anfang an musikalisch zu denken. Lange Töne, um der langen Töne willen? Papperlapapp – spielt Balladen, die enthalten lange Töne genug! Bobby setzt zu „My funny Valentine“ an, die Zuhörer schmelzen und erkennen doch, dass grade jemand betont lange schöne Töne ‚übt ‘.
  3. Das Dritte sei Bescheidenheit. Wer mit dieser Haltung an das Spiel und das Leben gehe, komme weiter als jene, denen es in erster Linie um eines ginge: „ to further on their own Egos. Bobby schönster Satz an diesem Nachmittag: “You can impress people to make you like you or you can touch people and make them like music.”

Dazu passt dann auch seine Schlussanekdote: Vor einiger Zeit erreichte Bobby ein verführerisches Angebot. Für 10.000 Dollar werde er nach eingeflogen, dort sollte er auf der Hochzeit der Tochter eines reichen Mannes aus Virginia vorne am Altar „Here comes the bride“ spielen. Ein weißer Smoking werde für ihn gefertigt, anschließend könne er ja mit der lokalen Band für zwei, drei Stündchen ein bisschen Tanzmusik spielen. Ob das Okay für ihn sei? Bobby, der sich bei der genannten Gage bereits im Siebten Trompeten-Himmel wähnte antwortete: „I am sorry, Sir. I am very flattered that you thought about me and your Offer of 10,000 Dollars is more than generous but you know what: I don’t know how „Here comes the bride“ , I am too fat for a white tuxedo an I don’t know tunes for dancing. I only know Charly Parker stuff. Click.”

 

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Jam-Session für Vokalisten: Circle and Improvisational Singing mit Erin Perry

Bitte, ich kann auch ohne dich! Jawohl! Spontan meldete ich mich zu einem „Mini Workshop Circle and Improvsational Singing“ an. Eine Session ohne Instrument noch dazu an einem Freitag abend in der Glücksschmiede, das klang vielversprechend. Das Ende vom Lied? „Thank GOD, it’s Friday!“ Ein Besuch bei der Pop-, Rock-, Soul-, Blues- und Gospel-Röhre Erin Perry.

http://www.erinperry.com/

All rights reserved http://www.erinperry.com/

Eine Trompete kann, Blechbläser wissen, wovon ich rede, ein ganz schönes Biest sein. Drei harmlose Ventilchen, ein glänzender Trichter und ein Mundstück, das kein Wässerchen trüben kann… Von wegen! Ein Blechschädel mit störrischem Eigensinn, weit davon entfernt, das zu spielen, was einem an inneren Klanglinien so vorschwebt. Ganz zu schweigen vom hohen Register. Der Sing-Workshop in Schwabing bei Erin Perry kam mir also grade recht. Keine technischen Hindernisse mehr, kein störendes Metall zwischen mir und der Welt – Erholung pur, dachte ich. Noch dazu in einer Location mit dem verheißungsvollen Namen „Glücksschmiede“.

Der Leser sollte wissen: ich singe ganz gerne, allerdings nur für mich. Gelegentlich auf dem Fahrrad, gelegentlich im Auto, jedenfalls eher selten, seit ich im Besitz einer MVV-Monatskarte bin. Egal, im Ankündigungstext hieß es ausdrücklich: „All levels of singers are welcome!“

Jeder ist seines Glückes  Schmied

Gluecksschmiede_Amalienstraße 65 copyright Gluecksschmiede All rights reserved

Als ich zum Check-in eintreffe, liefert eine Mutter grade ihre Tochter und deren Freundin ab. In der kleinen Küche versammeln sich nach und nach 10 Männer und Frauen in bunter Mischung. Mit den beiden Mädchen sind wir 12. Alles Lehrlinge, die ihr Eisen schmieden wollen, solange es heiß ist.

Erin Perry is really hot

Unsere energiegeladene Meisterin ist Erin Perry. She is really hot! Die Profisängerin, die mir Musikern wie Paul Young, Johnny Logan, Alannah Myles, Tony Hadley (Spandau Ballet), Haddaway, Nick Kershaw und vielen anderen auf der Bühne stand, lehnt an der Spüle der Schmiede und fachsimpelt in deutschamerikanischem Kauderwelsch über die Wirkung von Zitrusfrüchten und anderen Snacks auf die Stimme. Dann greift sie munter in das Chipsschälchen, lacht ihr volles, kraftvolles, souliges Lachen und ich ahne, dass der Ankündigungstext – „It’s all about expressing yourself“ – kein bloßes Werbeblabla war. Die Stimme der Singer/Songwriterin klingt einnehmend gut aufgewärmt.

„Hi, Darling!“ Manche Teilnehmer kennen sich schon, die eine singt in Münchens größtem Gospel-Chor,dem Munich Mass Choir, eine andere ist ausgebildete Opernsängerin und gerade dabei zum Jazz zu wechseln, die Kinder – so meine Vermutung – sind schnurstracks unterwegs zu The Voice Kids. Auch die Männer singen regelmäßig, keiner hat Probleme, seine Stimmlage zu nennen.

All levels?! Mir wird klar, worauf ich mich eingelassen habe und merke, dass ich mein Blechbiest vermisse. Ein Instrument kann ja auch mal einen schlechten Tag haben… Deswegen überwirft man sich doch nicht gleich! Meine innerlich formulierte Abbitte wird vom „Come on, Guys!“-Schlachtruf der Seminarleiterin unterbrochen.

Keep your eyes open when you are singing

Wir starten mit einer Aufwärmübung. Mit geschlossenen Augen dürfen wir singen und zappeln wie wir wollen. Das Ziel: Lockerwerden. Danach lautet Regel Nr. 1: Keep your eyes open, schließlich geht es nicht um Trance, sondern um Zwiegespräche – pardon: Zwiegesänge. Regel Nr. 2: No bad talking, also kein „Das war falsch“, kein „Ich kann das nicht“, höchstens ein „Ich brauche Hilfe“.

Erin hat eine schöne Weise, den Anfängern zu erklären, welchen Part man als Circle Sänger einnehmen kann. Die Soundmachine, die das ganze am Laufen hält, der generöse Unterstützer, der einen anderen Sänger mit Harmonien bereichert usw. Wir werden nach Stimmlagen geordnet, singen kleine Riffs und Melodien im Kreis. Nach und nach erhalten auch die anderen Stimmen von Erin dazu passende Melodie- und Rhythmuspattern. So ergibt sich ein kraftvoller Klangteppich, der festen Halt gibt und doch Freiheit lässt. Abwechselnd soll jeder von uns in die Mitte und solieren. Erin macht es vor und wir anderen staunen Bauklötze. Phew! Wow!

Deutlich zeigt sich, wer schon Erfahrung im Singen hat und wer nicht. Am liebsten würde ich meine Augen schließen, aber ich überwinde mich und schaue jeden im Circle an. Dann versuche ich nur mit Klängen etwas von mir zu sagen. Bei einigen fällt es leichter als bei anderen.

Leave your comfort zone

Unsere nächste Übung, kündigt Erin freudig an, wird uns aus der Komfortzone holen. Wie bitte? Die hab ich schon seit der Aufwärmübung verlassen! Doch es geht noch mehr. Wir sitzen im Kreis und sollen den anderen etwas über uns selbst mitteilen – singend natürlich, aber diesmal mit Worten. Ach du jemineh… Die Steigerung lautet: wir treffen uns zufällig auf einer Party und sollen locker plaudern. Smalltalking fällt mir eigentlich leicht aber smallsinging?! Die Wörter bremsen mich. Ich singe, wie ich spreche. Wie war das vorhin in der Küche? Erin hatte doch irgendwas von den unterschiedlichen Sprechamplituden der Berufsgruppen gesagt. Kreative haben gegenüber anderen Berufsgruppen die größten Ausschläge. Ich komme mir vor wie ein Banker.

Nach und nach spüren wir, worum es geht. Die Gruppe wird lockerer, wir lachen mehr, verstehen uns besser, hören stärker aufeinander, trauen uns mehr und unterstützen uns besser. Im Ergebnis erhalten unsere gemeinsamen Lieder mehr Ausdruck, Tiefe und Variantenreichtum. Es ist wie bei jeder guten Session: alle arbeiten daran, dass sie gemeinsam gut klingen. Irgendwie organisch eben.

Wir wissen ohne Anweisung, wann die Zeit gekommen ist, einzusetzen und wann, um aufzuhören. Eine schöne Melodie erfüllt den Raum und verebbt. Eine schöne Energie bleibt. Am Ende hugs and kisses für alle. Wir sind beseelt. Ich werde Erin demnächst schreiben und ihr einen andere Betreffzeile für ihre E-Mail vorschlagen: Statt „Mini Workshop May 15 – Singing for fun – For everyone!“

Schlicht und einfach: „Big voice gives Mini workshop“ .

Thank you Erin!

Je weniger, desto mehr – Jazzfotografie von Stefan Erhardt in der Unterfahrt

Stefan Erhardt ist Vater, Lyriker, Lehrer, Ausbilder, Redakteur und Mitherausgeber des Fußballmagazins „Der tödliche Pass“, um nur einiges zu nennen. Außerdem spielt und fotografiert er Jazz. „Je mehr man weglässt, desto größer die Chance, etwas vom Wesentlichen zu fassen. Spricht da der Lyriker, der Gitarrist? Egal, ich treffe erstmal den Fotografen. „free“ heißt seine Ausstellung, die noch bis zum 21. November 2014 in der Galerie im Jazzclub Unterfahrt in München zu  sehen ist.

mini 09 Copyright-Stefan_Erharddt_Plotmakers.com (Alle Rechte vorbehalten)

Free – das spielt mit dem Sujet des free Jazz, aber auch der freien Fotografie. Nicht das Abbild des Musikers gilt es zu bannen, auch nicht – schon freier – das Abbild der Musik. Stefan Erhardts künstlerisches Konzept wagt mehr: Seine Fotos wollen gar kein Abbild mehr sein. Erhardt befreit seine Fotos von der Sisyphos-Aufgabe, etwas „Reales“ zeigen zu müssen. Die Last der Wiedererkennbarkeit will er ihnen abnehmen. Seit der Erfindung der Digitalfotografie, die der Welt eine Bilderschwemme ohnegleichen bescherte, ist das Abbild- und Verweishafte des Fotos obsolet geworden. Wozu noch eine weitere Golden Gate Bridge, wenn uns das Bild genau das zeigt, was wir eh schon zig-fach sahen? Die Zahl der Fotos, die täglich auf Facebook hochgeladen wird, ist unbetrachtbar, die ständig wachsende Mega-/Giga-/Tetrabyte/Maßeinheit des Datenvolumens verrät es.

Ich will dem einzelnen Foto seine Würde zurückgeben. Das Foto muss radikal verfremdet werden, um frei zu sein.

_Copyright_Stefan_Erhardt_Plotmakers.com (Aller Rechte vorbehalten)Die Abkehr vom Wiedererkennbaren ist konsequent. Reale Namen der Musiker sucht man vergeblich, Konzertorte oder Instrumente deuten sich allenfalls genrehaft an: „band blue“, „zoomband“, „bass orange“, „long brown sax“ oder „moers bassist“.  Zwar lässt sich nicht leugnen, dass manche Motive stärker erkennbar bleiben als andere, doch geht es nicht darum, ein bestimmtes Konzert, diesen oder jenen Künstler als Ausgangspunkt zu präsentieren.

Die Jazztage iCopyright_Stefan_Erhardt_Plotmakers.com (Aller Rechte vorbehalten)n Moers – wer das Konzertzelt noch erlebt hat, mag es wiederahnen – oder ist es ein Trugbild? Zeigt das Foto nicht eher eine Landschaft, das Weichbild einer Stadt, zischende Elektrizität oder mystisches Licht? Serien, an denen man erkennen würde, was „eigentlich“ mal am Anfang stand, lehnt Erhardt ab. Zu banal, besonders da Konzeptkunst oft dem „Achtung Kunst!-Verdacht“ ausgesetzt sei. Dennoch, besonders die „minis“, 10×10 oder 10x15cm cm kleinen auf 1cm dickes Holz oder Forex aufgezogen Formate, erlauben durch ihre Hängung rhythmische Assoziationen.

Schon früh unternimmt Erhardt erste Versuche, das Aufgenommene zu verfremden. Er erinnert sich an Tabletten, die er zwischen geriffelte Plastikoberflächen quetschte, um sie zu fotografieren. Über Motive wie diese lacht er heute. Dennoch war er damals ernsthaft bemüht.

Als 16 Jähriger habe ich Motive weg vom Mainstream gesucht. Eine Tante von mir lebte in den USA. Bei Überlandfahrten haben mich damals weniger die typischen Liegenschaften, wie verfallene Gebäude oder Autos interessiert. Eher das, was man nicht sofort sieht, Details wie der Rost an einer Zapfsäule zum Beispiel. Was ein Bild verfremdet und verschiedene Schichten erkennen lässt.

Bis heute beschäftigt Erhardt, was im Auge, genauer dem Gehirn des Betrachters beim Betrachten vorgeht. An Künstlern wie Mark Rothko oder Josef Albers „Hommage to a square“ wurde ihm deutlich, wie konstruiert das ist, was wir ‚sehen‘.

Die Verfremdbassist_copyright_Stefan_Erhardt (alle Rechte vorbehalten)ung in Erhardts Fotografie erfolgt durch die digitale Nachbearbeitung. Zwei bis drei Stunden kann es dauern, bis er aus dem Rohmaterial „sein“ Bild am PC gewonnen hat. Die Zutaten sind nicht weiter aufregend. An Befehlen stehe zur Verfügung, was das Bearbeitungsprogramm hergäbe: Kontrast, Sättigung, Ebenen – „das sind einfach Regler, an denen ich schiebe“, sagt er bescheiden. Was herauskommt, straft sein Understatement freilich Lügen. Manche Bilder sehen aus wie Wärmebildkameras, aber sie spielen eben nur mit dieser Referenz. Sie zitieren das relativ junge bildgebende Verfahren, das zur Bestimmung der Energie-Effizienz dient – doch allein zugunsten der Frage, wie es um die künstlerische Energie im musikalischen Prozess beschaffen ist. Hier sind Ursache und Wirkung gar nicht mehr so eindeutig – geschweige, dass Energie einfach verpufft. Diese „Kulminationspunkte“, in denen Energie etwas verändert, steuern Erhardts Tun.

Mich hat interessiert, wie der Bassist mit seinem Instrument verschmilzt. Das Instrument hat ihn so in sich reingenommen, dass das von ihm rausgekommen ist. Ich weiß nicht, ob ein anderer das ähnlich sieht, nicht mal, ob ich das in dem Moment gedacht habe. Aus dem Foto, das schließlich entstand, sieht es aus, als ob der Bass weiterspielt.

Wozu braucht es überhaupt noch das Motiv, wenn weder der Titel noch das Objekt erkennbar sind? Warum hält Erhardt die Spannung zu dem Ausgangspunkt seines künstlerischen Tuns aufrecht? Erhardt wird nachdenklich. Womöglich schützt es davor, banal zu sein.

Stefansax lang_Copyright_Stefan Erhardt-Plotmakers.com (Alle Rechte vorbehalten) Erhard ist fasziniert von der jazz-typischen Improvisation. Diese unerschöpfliche Quelle an Möglichkeiten hat ihn selbst  inspiriert. Seine Leidenschaft zeigt sich nicht zuletzt in seinem Bestreben, dieser Inspiration durch Fotografie Ausdruck zu verleihen. Doch die totale Freiheit kennt auch in der Improvisation die Gefahr der Beliebigkeit oder Bezugslosigkeit. Am PC zeigt sich, weit der Fotokünstler die Verfremdung treiben kann, bevor sie beliebig wird. Hinzu fügt er seinen Motiven nie etwas, wegnehmen, oder durch Farbe etwas stärker akzentuieren, ist erlaubt. Zufrieden ist Erhardt, wenn sich etwas vom Wesen zeigt – bei den Instrumenten, die für ihn etwas Geheimnisvolles zu bewahren scheinen. Vorstufen, Zwischenstufen, Rohmaterial, das alles hat seine Berechtigung und Notwendigkeit im Prozess. Sobald das Ziel erreicht ist, werden sämtliche Reste gelöscht. Rigoros.

Einen ersten Überblick über Stefan Erhardts Arbeiten erhält man auf www.plotmakers.com. Die Preise seiner in der Unterfahrt gezeigten Fotos liegen zwischen 25 Euro und 165 Euro. Erhardt fotografiert sowohl mit der digitalen Spiegelreflexkamera also auch mit dem Fairphone oder der Lomo.

Galerie im Jazzclub Unterfahrt
tägl. geöffnet ab 19.30 Uhr (private Besichtigung nach Absprache)

Jazzclub Unterfahrt im Einstein Kultur
Einsteinstraße 42
816775 München
www.unterfahrt.de

 

 

 

 

 

Subvention kills Veränderungsprozess?

Image-1Auf Xing läuft eine interessante Diskussion in der Jazz-Community, ausgelöst durch einen „Aufruf für alle“ von Ulrich Pfahler weil „immer mehr Jazzclubs aufgeben müssen oder Jazzfremde Veranstaltungen organisieren müssen damit ein Überleben möglich ist“. Die sich entzündende Diskussion brachte viele Argumente hervor, bekannte und unbekannte – wer will, möge die Originalbeiträge dort nachlesen. Ganz unten habe ich einige im Überblick zusammengestelt.

Wenn Du keine Kohle machst, verändere Dich

Interessanter noch als die zum Teil bekannten Argumente fand ich die Debatte, die sich um die Subvention von Jazz (Musikern und Spielstätten)  dreht. Das Thema Subventionierung polarisiert stark – übrigens keineswegs nur bei Musik, sondern etwa auch bei Medien. An anderer Stelle habe ich zum Thema Subvention geschrieben (http://profilitas.wordpress.com/2013/06/08/hier-spielt-die-musik-was-musiker-journalisten-voraushaben/).

„Subvention kills Veränderungsprozess. Und der ist hier einfach bitter nötig.“

„Schrecklich finde ich die Idee, hier zu subventionieren. Von meinen Steuergroschen bitte nicht. Wenn ein Künstler / Veranstalter kein Geld mit der Kunst verdient, ist er vielleicht einfach nur schlecht.“

„Da könnte man jede Branche subventionieren, wenns mal mit dem Geld verdienen nicht so klappt. Der Bäcker an der Ecke, der Apfelstreusel für zu trivial hält und deshalb ausschließlich Pomelo-Remouladenkuchen anbietet. Der Taxi-Fahrer, der die Kundschaft nicht mehr zum Bahnhof fährt, weil das unter seinem Niveau ist.“

„Ich könnte es mir nicht leisten, den Kunden für meine Armut verantwortlich zu machen. Für alle Unternehmen auf diesem Globus gilt das selbe: Wenn Du keine Kohle machst, verändere Dich.“

Jazz. so höre ich heraus, das ist Freiheit, Lebendigkeit.Veränderung Subvention, das ist (politische) Reglementierung, Pseudo-Lebendigkeit und Erstarrung – beides passt jedenfalls nicht zusammen! Die Argumente waren für mich Anregung, nochmal darüber nachzudenken, ob Subventionen in der Musik wirklich so schlecht sind. Mir scheint, es wäre es hilfreich, das Thema Subvention differenzierter betrachten und erst einmal einiges ausprobieren, bevor man es ad acta legt. Fünf persönliche Einschätzungen:

  1. Subvention ist für mich nicht per se antikünstlerisch. Im Gegenteil: durch die Entlastung vom Zwang der Wirtschaftlichkeit entsteht vom Grundsatz her eher Freiheit – im Denken, Ausprobieren etc. Jedes Museum, jede Theaterbühne, jede Universität, jeder mäzenatische Ansatz wäre kunstfeindlich, dem ist aber nicht so.
  2. Die Marktorientierung: nur was verkauft, ist gut und hat seine Existenzberechtigung, ist mir jedenfalls – auf dem Feld der Kunst – zu einseitig marktgetrieben. Das Beispiel Medien zeigt sehr deutlich, dass Qualitätsjournalismus sich eben nicht zwingend von alleine verkauft, aber trotzdem unverzichtbar ist.
  1. Subvention und Wettbewerb schließen sich nicht automatisch aus. Ich gebe gerne zu, dass es schlechte Beispiele gibt, wo durch Subventionen Überproduktion, falsche Anreizen und anderes Schlechtes mehr erzeugt wird (nicht zuletzt Subventionsprofiteure, die  ihre ohnehin starke Position durch gute Lobbyarbeit mit den ihnen zufließenden Subvention weiter festigen…), aber es gibt auch Beispiele, wo Subventionen etwas überhaupt erst ermöglichen. Subvention, Zielsetzung und Evaluation gehören aber eng zusammen.
  1. Subvention kann in ganz unterschiedlichen Formen auftreten: Für die Künstler (Mindestgage? http://www.sueddeutsche.de/kultur/jazz-in-deutschland-mindestgage-fuer-musiker-1.1350761.) dürfte sie allerdings anders aussehen als für die Betreiber von Spielstätten, für die Veranstalter von Events oder für die Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen. Hier lohnte es sich, über Fördermöglichkeiten nachzudenken, die den Künstlern und der Jazzerziehung / Jazzkultur zugleich zugute kämen. Analog gilt es bei den Spielstätten genau zu überlegen, welche Subvention wirklich jazzförderlich ist: Bei dem einen Club könnte es eine Lärmschutz-Baumaßnahme sein, die ermöglicht, dass ein Jazzlokal im Zentrum bleibt, beim nächsten eine regelmäßige CD-Release-Reihe, beim wieder nächsten eine Veranstaltung mit Schulen usw.. Ob die Länder schon hinreichend kooperieren, wissen andere besser, ich hoffe es aber. Übrigens: In Berlin an der UDK gibt es ein sehr gutes, mit EU-Mitteln subventioniertes Programm, das Künstern vermittelt, sich besser zu positionieren und zu vermarkten. http://www.udk-berlin.de/sites/digimedial/content/digimedial_musik/index_ger.html Warum nicht exportieren?
  1. Subvention kann auch darin bestehen, Netzwerke zu fördern oder interessante Konzepte zum Austausch von „Best Practices“ zu fördern. An guten Ideen dürfte es nicht mangeln. Neue Plattformen zu nutzen, gute bestehende bekannt zu machen – damit ginge es schon mal los.

Nochmal: Nicht alles und jedes, was schwer verkäuflich ist, sollte subventioniert werden . Zwischen Kunst bzw. Jazz-Musik und Taxifahren besteht aber ein beachtlicher Unterschied. Derhat auch damit zu tun, dass in der Kunst eine Deutung unserer Wirklichkeit gegeben wird, beim Taxifahren aber eher nicht. Wenn Kunst sich weiterentwickeln soll, ist eine Marktorientierung weder nur gut, noch vollkommen schlecht. Hier etwas weniger reflexhaft und absolut, sondern im Sinne des Jazz experimenteller vorzugehen, wäre mir als Steuerzahlerin einen Groschen wert.

Und hier einige Auszüge aus den Argumenten der Xing Community  nach Argumenten geordnet (https://www.xing.com/de/communities/posts/aufruf-fur-alle-1001727715?page=1):

Ökonomische Rahmenbedingungen der Jazzclubbetreiber

Es ist ja nicht alleine das Publikum. Selbst mit rapellvoller Bude ist ein Club nicht „profitabel“ zu führen. KSK, Gema, Gagen, Hotel, Lärmschutz, Vereinsrecht, stiegende Mieten, weniger Vermieter, die auf Live-Musik Bock haben etc. Finanzämter, deren Kulanz (politisch gewollt) bei gemeinützigen Vereinen wegbricht und es immer mehr Betreibsprüfungen gibt …

Schlechtes Marketing bei Veranstaltern und Künstlern

Vielleicht waren aber auch die Veranstaltungen und Bemühungen Leute zum Hören von LIVE-Musik zu bewegen zu gering?

Vieleicht können die Musikveranstalter lernen, www für ihre Bedürfnisse zu nutzen und Kunden und Lieferanten zusammen zu bringen.

Die klassiker haben es schon besser raus sich zu vermarkten und vor allem sich über berufsverbände zu positionieren. das haben die jazzer jahrelang verpennt: musiker wie hochschulen, clubs, veranstalter aller art und plattenfirmen… so ist´s eben. da brauchen wir jetzt nicht ´rumheulen.

Etikettenschwindel

Was nützt mir eine Jazzveranstaltung, wenn dort Pop angeboten wird? Publikumsorientierung hin oder her.

Veränderter Musikgeschmack

Was gibts davon zu halten? Ich denke man muss den Wunsch des Publikums respektieren. Bei WDR 5 gab es vor einigen Jahren eine riesige Diskussion. Die These, dass Menschen, die gerne ein „anspruchsvolles“ Wortprogramm hören, auch Instrumental-Jazz mögen, ist einfach nicht mehr aufgegangen.

Nur an der Big Shots orientiertes Interesse des Publikums

Ich sehe das Problem beim Publikum, die Leute sind Stubenhocker. In unserem Bekanntenkreis kann ich die Leute nur übererden mit in den Club zu gehen wenn „grosse Künstler“ spielen.

Qualität und Zugang zu Top-Acts via: You tube & Co

Welcome to the Marktwirtschaft. Ich befürchte, auch ohne www wären die Bilanzen für die Clubs nicht besser. Meines Wissens hat in den 80igern auch kein Clubbesitzer die Audiocassette für die Schließung seines Ladens verantwortlich gemacht.

Schlechte Ausbildung

Ein Ausbildungsproblem! Leider ist auch im Jazz, die Ausbildung der Grund des Übels!

 

Musik live zeichnen: Elementarer Reichtum, statt Ex & Hopp

Ray Brown (b), George Fludas (dr), Larry Fuller (p) by Livezeichner Horst Müller (Alle Rechte vorbehalten)

Ray Brown (b), George Fludas (dr), Larry Fuller (p) by Livezeichner Horst Müller (Alle Rechte vorbehalten)

Live Zeichner Horst Müller hat auf fremder Leute Hochzeiten gemalt, die Feiern großer Unternehmen illustriert und Benefizgalas in Aquarell getaucht. Doch all das blieben  Zweck-Bündnisse. Als Herzensbund dagegen empfindet er seine Liebe zum Jazz.  In seiner eigenen Hoch – Zeit pendelte der Autodidakt zwischen den Hotspots  der Szene: Burghausen, Erlangen, München Neuburg an der Donau, Regensburg, Salzburg… Jazzer der 90er Jahre kennen ihn aus Clubs wie dem Birdland, der Unterfahrt oder von Jazzfestivals wie dem Salzburger Jazz-Herbst. Von seiner Kunst leben konnte „Live Zeichner Horst Müller“ aus Essen schlecht. Er ist überzeugt, dass Europa eine Partei für Kunst- und Kulturschaffende fehlt. 

Wann hast du Zeichnen angefangen? Mit 29, das war Ende 1984, nach sieben Jahren auf der Straße. Ich war fix und fertig und zum Sozialhilfe-Empfänger aufgestiegen.

Jazz Fotograf Peter Brunner hat Horst Müller öfter beim Zeichnen fotografiert. Hier in Slzburg beim Jazz-Herbst Mehr als 3000 Musikerfotos unter jazzfotos-brunner.at r (Alle Rechte vorberhalten)

Jazz Fotograf Peter Brunner hat Livezeichner Horst Müller beim Salzburger Jazzherbst fotografiert. Mehr als 3000 Musikerfotos unter www.jazzfotos-brunner.at (c) Peter Bunner, alle Rechte vorberhalten

Wieso wolltest du gerade Musiker zeichnen  – Musik ist doch unsichtbar? Musik war mir immer sehr nahe, sie ist sensibelste Kommunikation. In meinem Wahn, dem ich nicht widerstehen konnte, kaufte ich mir damals von meinem Heizkostengeld, das ich bar ausgezahlt bekam, für 300 DM Tablas [Anmerkung Jam-Radar: Die Tabla ist ein Schlaginstrument der nord- indischen Musik]. Mit meinem monotonen Getue hab ich Tag und Nacht die Nachbarn genervt, aber es wurde ein verdammt kalter Winter. Ich dachte wohl, aus mir könne auch noch Musiker werden. Na ja, jedenfalls war es meine erste Berührung mit Weltmusik und damit Jazz. Vor allem durch persönliche Begegnungen – zum Beispiel den Bassisten Rainer Glass, den Pianisten Thomas Tink und den Drummer Charly Antolini –  habe ich  mich intensiver mit Jazz beschäftigt. Aber im Mittelpunkt standen für mich immer die Musiker als Menschen.

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Papier, Stift, Klembrett: los geht’s! (c) Peter Brunner, Alle Rechte vorbehalten

Worauf kommt es an? Man muss die Musiker genau beobachten, die Stellen, an denen sie schwitzen, ihre individuelle Bewegung, die mit dem Instrument zu tun hat. Oder das Zusammenspiel mit den anderen, die Beziehungen, die sie musikalisch eingehen. Man darf natürlich nicht nur fasziniert auf die Bühne starren, sondern muss selbst aktiv werden und mitgehen. Eigentlich hat man unendliche Möglichkeiten. Die entscheidende Frage lautet, womit kann ich selbst zufrieden sein?

Freddy Hubbard (tp), Xavier Davis (p), Steve Davis (tb), Jimmy Green (ts),Augsburg 2002. Herzlicher Dank an Livezeichner Horst Müller (Alle Rechte vorbehalten)

Freddy Hubbard (tp), Xavier Davis (p), Steve Davis (tb), Jimmy Green (ts),Augsburg 2002. by Livezeichner Horst Müller (c) Alle Rechte vorbehalten

Wo liegt der Reiz der Zeichnung gegenüber dem Foto? Ich beneide  Fotografen zwar, weil sie  im Display ihre Bilder auch nachträglich noch so ranzoomen können, dass man die Schweißtropfen sieht. Aber ich tue nun mal etwas anderes. Ich kann dafür auch gleich nach dem Konzert zum Musiker gehen und mir ein Autogramm unter das Bild geben lassen. Außerdem habe ich schon mit Jazz-Legenden Gespräche geführt und durfte ihnen ganz nahe sein.

Hättest du nie Lust gehabt, Musik zu fotografieren? Doch, ich hab sogar inzwischen auch eine Digitalkamera (für 50 Euro). Manchmal mache ich begleitend ein Foto. Mir fällt auf, dass ich einen sehr guten Blick für die Motive habe. Ich mache interessante Fotos, aber Zeichnungen haben eine ganz andere Faszination. Das ist etwas Elementares.

In Farbe: Ray Brown Trio , Audi Forum Ingoldstadt 2001 by Horst Müller (Alle Rechte vorberhalten)

In Farbe: Ray Brown Trio , Audi Forum Ingoldstadt 2001 by Horst Müller (Alle Rechte vorberhalten)

Farbe? Oder Schwarz-Weiß? Vollkommen egal, wenn einem eine Sache langweilig wird, kann man jederzeit anderes ausprobieren – wie die Musiker und Musikerinnen!

Fotografen haben mit dem meist schlechten Licht in Jazzclubs ein Problem… Ach, das ist eben so wie es ist, man muss aus der Situation heraus zaubern. Manchmal hab ich aber auch ein Klemmlämpchen dabei.

Du zeichnest auch bei Jazz-Workshops und auf Jam Sessions – gibt es Unterschiede zu einem normalen Konzert? Vom Zeichnen her sind Sessions eher undankbar. Der rasche Wechsel macht es noch schwerer, sich einem Musiker zu nähern. Ansonsten ist es reizvoll, dass bei den Workshops von 12 bis 70 alles auf der Bühne zusammen kommt. Man spürt erst Schüchternheit, aber dann kommt’s: die können was.

Max Treutner (sax) in Erlangen by Horst Müller (Alle Rechte vorbehalten)

Jugend musiziert: Der damals 12jährige Max Treutner (sax)  in Erlangen by Horst Müller (Alle Rechte vorbehalten)

Junge oder Alte Musiker –ein Unterschied? Zeichnerisch – nein. Es gibt so viele junge und schon sehr erfahrene, um nicht zu sagen, ausgebuffte Musiker und Musikerinnen. Und auch alte bringen sich noch überraschend und mit viel Feingefühl kreativ ein. Ein äußerst betagter Pianist aus Manhattan, den ich mal fragte, warum er sich die Strapazen der Tournee noch antue, hat gesagt: „Lieber auf der Bühne während eines Konzerts sterben als zuhause im Pyjama vor dem TV.“

Dein Motto lautet: get rich with art? Wie ist das gemeint – kann man mit Illustrationen überhaupt reich werden? Ich meine elementaren Reichtum, den Reichtum der Seele. Ich wüsste zwar mit Geld Tolles und Gutes anzufangen, aber Geld ist nicht das Wichtigste – auch, wenn es ganz ohne Geld nicht geht.

Horst Müller wollte Zeit zum Nachdenken. Ex und Hopp ist seine Sache nicht. Wie es sich für einen Zeichner gehört, hat er seine Antworten mit Stift und Papier zurückgesendet. Der 1955 geborene Essener lebt heute in Nürnberg. Er hat viele der ganz Großen persönlich kennengelernt: Harry Sweets Edison, Art Farmer, Dave Brubeck, Oskar Peterson u.a.m. Müllers Credo: Diener und Kämpfer für eine „Freie-Faire-Intelligente-Humanistische- Zivilisierte-Zukunftsorientierte-Kultur-Gesellschaft“. „Live Zeichner Horst Müller“ ist zu erreichen unter +49 (0) 176/ 68 41 3309

Herzlicher Dank an Jazzfotograf Peter Brunner (www.jazzfotos-brunner.at)
Die Fragen stellte Evira Steppacher.

Flieg, Voglerchen, flieg…

Thomas Vogler begrüßt jeden Gast in der Rumfordstraße 17 mit einem sonoren „‘n Aaabend“, wobei die Länge des „A’s“ anzeigt, wie gut oder lang er die Gäste kennt.  Der Inhaber der gleichnamigen Jazzbar  polarisiert ordentlich in der Münchner Szene. Sein Humor ist mindestens so ausgeprägt wie sein Starrsinn, wovon auch die Staats-Regierung, die GEMA oder die Lufthansa ein Lied singen könnten. Aber bitte nur bis um 24 Uhr, danach dreht Vogler rigoros ab. Hin und wieder schockt er seine Leser, indem er androht die legendäre Jam-Session am Montag einzustellen. Dabei ist die so wenig wegzudenken wie sein wöchentlicher Newsletter. Mittwoch, 34 Grad im Schatten, High Noon – höchste Zeit für Jam-Radar, dem Herrn Vogler eine frische Brise zu wünschen – und Gäste, die coolen Jazz auch im Sommer unverzichtbar finden.

Thomas Vogler mit Tom Reinbrecht by Lena Semmelroggen

Thomas Vogler, Inhaber der Jazzbar Vogler in München (im Hintergrund: Saxophonist Tom Reinbrecht). Herzlichen Dank an die Fotografin Lena Semmelroggen von Smashing Snapshots (Alle Rechte vorbehalten).

Ein Wirt,  der Editorials schreibt – ungewöhnlich! Ich habe als Journalist ange- fangen, war unter anderem mal Nachrichtensprecher. Meine Stimme klingt angeblich ganz gut im Radio, aber ich wurde die Nervosität am Mikro nicht los. Einmal las ich statt: „Bagdad“: „Bhagwan“ – und bekam einen Lachanfall. Das war‘s dann, weshalb ich mich immer mehr in Richtung PR, Kommunikation, Marketing entwickelt habe.

Dein Weg zur Jazzbar? War ziemlich krumm. Ich hab nach meinen
journalistischen Versuchen z.B. für einen Erlebnispark und einen Verlag gearbeitet, wurde aber nicht glücklich dabei. Jedes Mal, wenn ich in einem guten Club saß, habe ich, wie wahrscheinlich jeder, rumgesponnen und gedacht, das wär‘s doch – aber meine Realisierungs-Chancen waren so ähnlich wie „Vogler fliegt zum Mond“. Über eine Freundin kam ich der Sache dann näher und
begann mich – erst einmal erfolglos – bei Brauereien zu bewerben. Ich hatte den Plan schon aufgegeben und meine Unterschrift unter einen Vertrag vom „Nürburgring“ gesetzt, als das Angebot der Spaten-Brauerei kam.

Was bot man dir an? Ein großes Lokal in der Rumfordstraße 17. Der Laden war damals eine Leiche: Ich war der sechste Wirt in zehn Jahren. Irgendwann war allerdings auch mal ein Grieche drin, der immer wieder Live-Musik anbot. Ihm verdankt die Jazzbar Vogler die Konzession für Live-Musik. Das war natürlich in der Lage ein Sechser im Lotto [die Rumfordstraße liegt neben dem Viktualienmarkt].  Der zweite Sechser: Die Spaten-Brauerei als Partner. Wie in jeder guten Ehe hatten wir zwar auch mal unsere Probleme – aber das gehört dazu.

Du hattest also von Tuten und Blasen keine Ahnung – wie kamst du an die Musiker? Stimmt. Ich hatte noch nie in der Gastronomie gearbeitet und kannte keinen einzigen Musiker. Aber ich hatte noch mal Glück: eine sehr gute Freundin wohnte zufällig neben dem bekannten Jazzgeiger Hannes Beckmann, dessen Quartett spielte dann die ersten beiden Abende bei mir. Über Beckmann kam die Verbindung zu dem Bigbandleader und Schlagzeuger Harald Rüschenbaum sowie dem Pianisten Joe Kienemann. Kennst Du einen – kennst Du alle. Der Besucherandrang zur Eröffnung am 31. Juli 1997 war sensationell, mein alter PR-Verteiler hatte funktioniert, aber ab 1. August wurde es schlagartig heiß und mich hat eiskalt das Sommerloch erwischt. Ich hatte zwar schon jeden Abend Live-Musik, unter anderem mit den Pianisten Tizian Jost oder Edgar Wilson, aber verkaufte höchstens drei Bier – pro Abend. Es war: leicht frustrierend.

Wie kam es zu den Jam Sessions? Das war eine Anregung von Hannes Beckmann, der meinte, so was brauche man in jeder guten Jazzbar. Damals hatte ich noch sieben Tage die Woche auf, Montag war mein schwächster Tag, also, dachte ich, warum nicht? Der Posaunist Hermann Breuer hat die Sessions dann am Anfang geleitet, Breuer gemeinsam mit Beckmann sind also gewissermassen die „Väter“ der Vogler Jam-Session.

Vogler-Kondom

Werbemittel: Kondomverpackung

Ziehen Jam Sessions eher Stamm- oder neue Gäste? Sowohl als auch. Die Jam-Session hat ein ganz eigenes Publikum, das die anderen Konzerte so gut wie gar nicht besucht. Und: Es ist ein sehr junges Publikum, was für München ungewöhnlich und für den Jazz gut ist, weil es neue Zuhörer für die Musik begeistert. Im ersten Set, das ich buche, ist das Niveau hoch wie bei einem Konzert, danach wird’s naturgemäß schwankend. Aber es gibt auch Highlights, weil grade unglaublicheMusiker in der Stadt sind, die unverhofft reinschneien.

Neulich warst du kurz davor, die Jam-Session zu killen – warum? An keinem andern Abend muss ich so viel vor dem Lokal sein, um für die Ruhe meiner Nachbarn zu sorgen. Es ärgert mich, dass ich  immer wieder die gleichen Musiker mit ihren Getränken reinbitten muss – das „Vogler“ hat nun mal keine Freischankfläche. Es gibt bestimmte Regeln, nach denen sich alle – ich und die Musiker richten müssen. Das „Vogler“ liegt in einer Wohngegend, und ich kann nicht wegen der Session den Bestand der Jazzbar insgesamt gefährden.

Schon mal an elektrische Lärmanzeiger gedacht? Ich find‘s eigentlich überflüssig, denn das Problem existiert ja die ganze Woche nicht. Bitte, ich will kein Musiker-Bashing machen, aber es sind fast ausschließlich Musiker, die sich viel draußen auf- und unterhalten. Sicher auch, weil sie  gerne rauchen und sich selten sehen. Aber seit der Zwangs-Pause funktioniert es viel besser, ich bin optimistisch – wie immer.

Wie komplimentierst du renitente Gäste raus? Es kommt selten vor, aber meistens hilft eine direkte Ansprache.

Welche Musik hörst du außerhalb deiner Bar,  im Auto oder zuhause? Ich hab kein Auto und höre in meiner freien Zeit ganz wenig Musik. Wenn ich in der Früh nachhause komme, falle ich ins Bett, wenn ich zuhause arbeite, muss ich mich konzentrieren. Wenn ich allerdings Musik höre, dann breit gefächert: Ich gerne mal in die Oper, höre auch mal Rammstein, auf dem Land auch gerne bayerische Volks-Musik und und und – und: natürlich: Jaaaaaaazz.

Welche drei Eigenschaften, sind für den Gastronom unverzichtbar? Ein ehemaliger Chef hat mal gesagt, Vogler, du brauchst für alles die drei  B’s: Biss, Bewusstsein, Begeisterung. Besser kann man es nicht formulieren.

Was nervt an deiner Arbeit? Es ist ein unglaublicher Knochenjob mit einem völlig konträrem Lebens-Rhythmus und: der Kostendruck wird immer größer, aber ich hab nur wenig Möglichkeiten, das aufzufangen – das Bier kann ja nicht plötzlich fünf Euro kosten. Dadurch muss ich immer fast alles selber machen, vom Putzen über den Einkauf über das Booking über das Büro über das nächtliche Arbeiten – das macht alles nicht gerade einfacher – und jünger werde sogar ich nicht.

Warum ist es trotzdem der schönste Job für dich? Ich hab noch nie so viel wie in den letzten 16 Jahren gearbeitet, noch nie so wenig verdient – und noch nie so viel Spass gehabt. Meine Prioritäten waren früher andere, früher wollte ich in der PR und im Marketing „wichtig“ sein – das hat sich gedreht.

Thomas Vogler mit Nina Michelle und Nirit Sommerfeld_by Lena Semmelroggen

Na bitte, geht doch: Vogler und die Sängerinnen. Küsschen von der Kanadierin Nina Michelle (lks.) und der Israelin Nirit Sommerfeld bei „Jazz gegen Rechts“. Dank an Lena Semmelrogen für die Überlassung der Fotos (alle Rechte vorbehalten)

Stichwort Sängerinnen…? Sängerinnen?! Ich weiß, worauf Du anspielst, es heißt immer wieder, ich mag keine Sängerinnen
auf den Jam-Sessions. Das ist aber Quatsch. Wie so vieles, was über mich erzählt wird. Was ich nicht mag, sind schlechte Sängerinnen. Das beziehe ich aber genauso auf schlechte Sänger, Trompeter, Schlagzeuger, Saxophonisten etc. Und manchmal grenzt einfach manche Performance an Körper-Verletzung.

Bist du schon mal in der Gefahr gewesen, dem Alkohol zu verfallen? Ich?! Nein. Wenn ich arbeite, trinke ich nie, vielleicht mal Sonntags ein Glas Wein oder auch zwei.

Jazz gegen Rechts„Jazz gegen Rechts“, der Fall Mollath… du bist du mehr und mehr politisch aktiv. Warum? Es Es war mir schon immer ein Anliegen, aber ich hab‘s am Anfang nicht so forciert. Ich lebe in einer sehr privilegierten Situation, bin „bei der Lotterie des Lebens“ hier in München runtergeplumpst, bin hier geboren und nicht z.B. in einem Slum – und dieses Glück ist mir sehr bewusst. Daher versuche ich Menschen, denen es nicht so gut geht, ein wenig mit meinen bescheidenen Mitteln zu helfen, sei es durch Benefizabende, sei es durch Petitionen, sei es über meinen grossen Verteiler, den ich als Multplikator nutze.

Du warst Schüler im Kloster Ettal, bist katholisch erzogen, und in Bayern ohnehin christlich sozialisiert. Warum bist du gegen das Musikverbot an Karfreitag? Ich find‘s schade, dass die Politik den Menschen einerseits im 21. Jahrhundert vorzuschreiben versucht, was sie zu glauben haben, andererseits aber nicht bereit ist, die gleichen Feiertagsrechte für andere Religions- oder Glaubens-Gemeinschaften bzw. Atheisten einzuräumen. Ich find das diskriminierend. Hinzu kommt, dass ich die ersten zehn Jahre lang ohne jegliche Probleme an Karfreitag Musik spielen lassen durfte: Joe Kienemann, Sohn eines Pastors, hat viele Jahre sehr sensibel Kirchenlieder bei mir verjazzt, das Programm wurde also dem Tag absolut gerecht. Aber im 11. Jahr war plötzlich alles anders: Das KVR schickte die Polizei, es gab einen Bussgeld-Bescheid über 528,- Euro und, natürlich, kam es zu einem Prozess. Grund für das Ganze: Die Regierung von Oberbayern hatte dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) kurz vor Karfreitag ein Schreiben geschickt, das absolute Musikverbot in Schankräumen müsse unbedingt eingehalten weren. O-Ton KVR: „Da haben wir gewusst, dass wir etwas wissen müssen.“ Besser hätte es auch Karl Valentin nicht formulieren können.

Du hast einigen Musikern Hausverbot erteilt: Macht oder Ohnmacht? Weder noch: Konsequenz. Der betroffene Musiker sieht es sicher anders. Aber nochmal: Ohne Regeln kann kein Club überleben. Es gibt in jedem Bereich Menschen die glauben, sie können tun und lassen, was sie wollen. Ohne Rücksicht auf andere, nur um das eigene Ego zu befriedigen. Und manchmal hilft dann halt nur: Ein Hausverbot. Aber das ist, Gott sei Dank, selten.

Das Gespräch führte Elvira Steppacher

Max und sein Sax: Wer zuletzt lacht, spielt am besten…

Musikalisches Wunderkind, Ausnahmetalent, Saxophongenie – Max Treutners Begabung weckt große Begriffe, sein Tenorspiel einfach nur Staunen. Die spielerische Souveränität des Vierzehnjährigen, der 2010 und 2012  als bester Solist bei „Jugend jazzt“ (Baden-Württem- berg) hervortrat, fasziniert auch ohne Musikverstand. Beim 33. Internationalen Jazz Workshop in Erlangen verriet Max, warum ihm um vier Uhr E-Dur einfällt, weshalb er null Bock auf Punk hat und warum er „Blue Bossa“ auf Jam Sessions hasst. Außerdem lernen wir: Bei Hochbegabten hat Auslachen mal kein übles, sondern ausnahmsweise ein gutes Nachspiel.

MaxTreutnerMax, wie lange musizierst Du?
Ich mache Musik seit ich 8 bin, also seit ungefähr 6 Jahren. Begonnen hab ich im Gruppen-Unterricht unserer Gemeinde. Da durfte jeder mal in eine Trompete reinpusten und das hat mir schon Spaß gemacht. Aber ich war nicht so gut, schon gar nicht der Beste. Der Lehrer hat gesagt: Jetzt spielt mal ein C und ich hab nicht mal gewusst, dass man es offen, also ohne Ventile, spielt. Daher hab ich ziemlich viele falsche Töne gespielt und die anderen haben mich alle ausgelacht.

Das ist ja unfair! Wie bist du damit umgegangen?
Mein Vater hat bei Ebay mein erstes Saxophon, ein Expression, ersteigert. Dann hab ich mit dem Buch von Dirko Juchhem „Mein schönstes Saxophon-Hobby“ angefangen zu üben. Da werden alle Noten erklärt. Auf dem Saxophon hab ich dann jeden Tag gespielt, das hat  mir dann auch richtig Spaß gemacht.

Hat sich jemand aus der Gruppe bei Dir entschuldigt?
Na, ja, mein Freund, der damals auch gelacht hat, sagt heute: eigentlich müsstest du mir dankbar sein. Außerdem hat er eine Woche nach mir in der Musikgruppe aufgehört, weil er ja mit mir zusammen was machen wollte.

Wann hast Du bemerkt, wie begabt du bist?
Als ich die ersten Stücke nach wenigen Tagen konnte und gleich einen schönen Ton hatte. Außerdem fiel mir alles viel leichter als meinem Vater, der ja mit mir angefangen hat. Während sich mein Vater zum Beispiel für eine Stück zwei Tage vorbereitet hat, um es einigermaßen zu spielen, konnte ich es, wenn er mir die Noten gezeigt hat, in fünf Minuten schon besser als er.

Gibst Du Dir und der Trompete irgendwann eine zweite Chance?
Eher nicht, ich spiel ganz gerne Klavier, auch ein bisschen Bass und Gitarre, aber ganz wenig.

Fährst Du manchmal zu Jam Sessions?
Ja, in Aidlingen gibt es Sessions während der Jazzworkshops, so wie hier in Erlangen, außerdem machen die einmal im Monat eine Session, da hab ich mich manchmal dazu gesellt. Aber eigentlich find ich‘s nicht so besonders, in Jam Sessions zu spielen.

Warum?
Weil jeder halt irgendwie so ungeplant spielt und meistens Blue Bossa, das Stück hass ich, weil es meistens so langweilig gespielt wird. Klar, wenn Joe Henderson das spielt, dann find ich‘s natürlich schon interessant. Mit guten Musikern macht auch mir eine Session Spaß.

Lässt Du dich auf Experimente ein oder gehst Du gut vorbereitet hin?
Ich geh eher geplant vor, komme also mit ein paar Stücken, die ich spielen will, zur Session. Aber klar, wenn ein Blues oder so gespielt wird, mach ich auch spontan mit. Bei Stücken, die ich nicht vorbereitet hab, da spiel ich eigentlich nicht mit, weil die andern sich sicher auch vorbereitet haben und ich dann nicht mit rein platzen will.

Wie bereitest du dich vor?
Auf Stücke weniger, aber auf die Changes schon, da schau ich mir die verschiedenen Akkorde und II-V-I-Verbindungen an. Ich transkribiere viel, kopiere Licks, erfinde selber welche. Ich improvisiere einfach darüber.

Was und wie lange übest du?
Ich übe nur Technik, dann Etüden und Tonleitern. Etwa eine dreiviertel bis eine Stunde. Am Schluss spiele ich mal was, was richtig Spaß macht, aber sonst übe ich nur das, was mir auch was bringt. Technik muss man sich immer erarbeiten, das kostet jeden – mich auch – viel Zeit. Schwer zu spielen ist es nicht. Das  Schwierigste ist, das alles in den Kopf reinzukriegen. Je langsamer es reingeht, desto langsamer geht’s auch wieder raus.

Klingt sehr strukturiert, oder?
Zuhause haben wir drei Uhren, in denen der Quintenzirkel abgedruckt ist. Daran orientier ich mich manchmal, also um vier spielen wir dann E-Dur oder so was. Alle die zu uns kommen, fragen sich dann schon mal, was das für ein Geheimcode ist, aber man prägt sich das leichter ein. Auch mein kleiner Bruder Cedric, der nächstes Jahr mit auf den Workshop kommen will, kann sich das dann besser merken. [Übrigens, so sieht sie aus, die Uhr…. http://www.uvds-design.com/quintenzirkeluhr/flash-intro.html]

Wie gehst du mit Fehlern um?
Wenn ich einen Fehler mache,  sind das ja eigentlich Lernprozesse.

Zählt das Fach Musik zu deinen Favoriten?
Doch Musik ist ganz gut, aber, was mir nicht so gefällt, ist, wenn wir andere Musikrichtungen durchnehmen,  Punk zum Beispiel interessiert mich gar nicht.

Wie steht es um deine Leistung in den anderen Fächern?
Durchschnittlich würd ich sagen.

Wie bist du auf Jazz gekommen?
Eigentlich gibt’s ja keine andere Musikrichtung, die man auf dem Saxophon spielen kann. Jazz, Blues, Funk. Blues ist ganz einfach und ganz schwer.  Etwas Neues darüber zu spielen, ist schwer, aber es macht mir auch sehr viel Spass.

Jede Improvisation in einem Solo ist eine Komposition. Komponierst du auch eigene Themen?
Ich hab nur ein Stück geschrieben, den Treutner Blues.

Welches sind Deine Vorbilder?
Sonny Rollins, Eddie Lockjaw Davis, Johnny Griffin, Oscar Peterson, John Coltrane, Chet Baker, Miles Davis, John Coltrane.  Der frühe Sonny Rollins gefällt mir allerdings besser. Der hat alles so klar gespielt und so schöne Melodien erfunden. Heute lebt er, glaub ich, auf dem Bauernhof, steht morgens auf, geht zu seinen Kühen, dann übt er,  10 Stunden, dann kümmert er sich um seine Tiere.

Wäre das auch ein Leben für dich?
Nein. Aber wenn ich Musik studieren will, muss ich auch mehr Zeit am Tag musizieren. Ein Dozent hat mir vorgeschlagen, ich soll am Wochenende mal probeweise acht bis zehn Stunden üben, das hab ich ihm jetzt versprochen.

Vielen Dank für das Gespräch, Max.
Das Gespräch führte Elvira Steppacher

Dieser Link führt zum Max Treutner-Channel auf You Tube mit diversen Auftritten http://www.youtube.com/user/maxophonde/videos?view=0  und hier gelangt man zu seiner Homepage: www.maxophon.de

Eins, zwei, drei….Klick! Was Fotografen denken

Bei Konzerten und Sessions sind sie nicht wegzudenken: Fotografen, die konzentriert ihre Arbeit tun. Bekommen sie überhaupt etwas von der Musik mit, während sie die Künstler fokussieren? Was nervt einen Fotografen an Kollegen?  Können sie von ihrer Kunst leben? Fragen über Fragen. Antworten haben Lena Semmelroggen, Dietmar Liehr und Frank Schindelbeck.

Lena Semmelroggen (30) entdeckte erst mit Anfang 20 das stehende Bild– ausgelöst durch eine Handy-Kamera. Einem befreundeten Modefotograf gefielen ihre Aufnahmen, daher riet er ihren Eltern, der Tochter zu Weihnachten einen anständigen Fotoapparat zu schenken. Lena Semmelroggen versteht sich selbst als Stage-Photographer in der Tradition der Künstler-Fotoreportage.  Sie fotografiert mit einer Canon EOS 5D Mark II mit festen Brennweiten. Vor wenigen Tagen erlebte sie ihren ersten Fotodiebstahl. Aber die Vorstellung, dass jemand ein Leinwand-Großformat nachts durch das Münchner Westend schleppt, amüsiert sie eher. Lena Semmelroggen ist Autodidaktin und eine der wenigen, die ausschließlich von der Jazz-Fotografie leben. Ihre Bilder kann man auf ihrer Homepage SmashingSnapshots anschauen und – noch – in ihrem Treppenhaus.

Wann bist du mit einem Foto zufrieden?
Lena Semmelroggen: Mir gefallen all die Bilder, die einen besonderen Moment einfangen. Mein Ziel in der Jazz-Fotografie ist es, möglichst keine ikonologischen Standards zu wiederholen, die dann irgendwann zu Klischees werden. Es gibt ganz viele tolle Close ups von Trompetern mit angestrengtem Gesicht und die mache ich natürlich auch, klar…. aber die Bilder, die mich richtig glücklich machen, sind die, wo es mir gelingt, einen Zwischenmomente einzufangen. Zum Beispiel dann, wenn jemand vergisst, dass er auf der Bühne steht und seine Rolle spielt. Da gibt es diesen kleinen Moment, wo ein Künstler wirklich er selbst ist oder sich eine Interaktion zwischen zwei Musikern ergibt, indem sie sich anerkennend zuzwinkern. Wenn man den Moment erwischt, sieht man auch auf dem Foto: „Oh, da ist jetzt etwas Besonderes passiert“. Ich hatte ja das Glück, Bob Brookmeyer noch kurz vor seinem Tod kennenzulernen und habe seine letzten Studioaufnahmen gemacht. Das war sehr beeindruckend für mich, ihn kennenzulernen. Ich hoffe, die Fotos dokumentieren etwas davon.

Was ist für dich ein No-Go in der Fotografie? Es gibt Momente, wo man den Musikern ganz nahe ist, etwa wenn nach dem Gig eine Situation entsteht, die fotografisch sehr interessant ist, wo ich aber aus Respekt vor dem Künstler nicht mit der Kamera draufhalte, weil ich spüre, dass es unangebracht wäre. Da entsteht dann schon so etwas wie ein innerer Konflikt. Einerseits würde man mit so einem Foto in die Geschichte eingehen, aber ich kann es nicht machen, weil ich mir sonst das Vertrauen dieses Menschen für immer zerstöre.

Kann man von Jazz-Fotografie leben? Erstaunlicherweise ja (lacht), wenn an sein Leben danach ausrichtet. So muss ich es formulieren. Mit Jazz-Fotografie ist es ja nicht wie für große Markenartikel wie BMW oder so, wo man drei Foto-Jobs macht und dann das ganze Jahr davon zehren kann, sondern es sind eher kleine Beträge, mit denen man sein Auskommen hat. Klar, ich muss schon Abstriche machen: ich hab keine riesengroße Wohnung und fahre kein dickes Auto, sondern richte alles Äußere so ein, dass ich das machen kann, was ich am allermeisten liebe. Und dann funktioniert es auch.

Was denkst Du beim Fotografieren? Kannst du gleichzeitig der Musik zuhören? Nicht viel. Eigentlich ist für mich der ideale Zustand , wenn ich gar nicht mehr beim Fotografieren denke und es irgendwie schaffe, musikalisch mit der Situation zu verschmelzen. Am Anfang habe ich natürlich viel nachgedacht: über Bildkomposition, Einstellungen usw., aber das gibt sich zum Glück mit der Routine. Wenn ich zu viel denke, werden meine Bilder eher schlechter, weil ich sehr intuitiv und aus dem Bauch heraus arbeite. Für die Momente, die ich einfangen will,  gefühlsmäßig dafür offen zu sein, ist eine Stärke von mir – mehr als etwas zu komponieren. Da ist Denken eher hinderlich.

Was bevorzugst du: Schwarzweiß oder Farbe? Ich bin ein totaler Schwarz-weiß-Fan, weil man da weniger hat, was vom Moment ablenkt. Man stilisiert den Moment raus und gewinnt eine Klarheit, die mir bei Farbe oft verloren geht.

Wie stehst du zur Bildbearbeitung? Ich bearbeite die Fotos immer nach, da ich alles raw fotografiere. Das was aus der Kamera rauskommt, ist total flach, so dass ich Kontrastkurven usw. nachjustieren muss, das ist aber im engeren Sinne auch keine Bearbeitung. Die Live-Fotos bearbeite ich ganz wenig. Wenn ich aber eine Portraitsession mache, muss ich manchmal zwangsläufig bearbeiten, weil die Künstler dann sagen, dass sie die Falte gerne weg hätten, die würde sie stören. Da weine ich innerlich dann immer, weil ich total auf Falten und Linien im Foto stehe. Retuschieren? Ja, manchmal muss ich, aber ich bin kein Fan davon.

Das Publikum – deine erste Assoziation? Was ich schade am Jazz-Publikum finde, ist, dass es oft sehr verhalten, bisweilen sogar verkopft ist. Grundsätzlich zählt das Publikum zu meinen Freunden, weil es ein direkter Spiegel von dem ist, was auf der Bühne passiert. Als Fotografin, die nicht von einer Agentur, sondern direkt gebucht wird, fühle ich mich eher als Teil der Band und es ist total schön, die Reaktionen des Publikums zu spüren oder zu sehen. Dann bin ich auch immer ganz stolz auf die jeweilige Band. Und schließlich ist das Publikum natürlich ein Teil der Gesamtkunstwerks, was so ein Gig ist. Ein weiteres Organ in dem ganzen Gebilde. Ich versuche mich selbst möglichst unsichtbar im Konzert zu machen und keinen zu stören.

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Dietmar Liehr (45) beschäftigte sich während seines Grafikdesign-Studiums an der Fachhochschule Augsburg auch intensiv mit der Fotografie. Er spielt Jazz-Gitarre, unter anderem auf einer für ihn gefertigten siebensaitigen Archtop von Gitarrenbaumeister Stefan Sonntag. Auch beruflich hat er mit Gestaltung und Optik zu tun. Früher fotografierte er fast alles mit seiner rein manuellen Nikon FM2, am liebsten mit der 135 mm/f2,8 Festbrennweite. In den letzten Jahren greift Dietmar Liehr allerdings deutlich seltener zur Kamera, auch, weil er selber mehr spielen und bei Konzerten gerne konzentriert zuhören möchte. Dietmar Liehr hat noch viele Größen der klassischen Jazzstile vom Swing über Bop bis hin zum Freejazz fotografiert und sich lange Zeit ehrenamtlich in Augsburg für die Förderung des Jazz engagiert.  Seine Bilder – Stolen Moments – sind hier zu besichtigen https://www.icloud.com/photostream/#A45yeZFhXhymf   Und manchmal auch auf Seiten, von denen er noch gar nichts wusste. http://trikont.de/blog/wo-die-musik-spielt-das-hamburger-abendblatt-uber-das-theaterstuck-der-ghetto-swinger/#more-7060

Was fasziniert dich als Musiker an der Jazz-Fotografie?
Dietmar Liehr: Da muss ich erst erklären, was mich am Jazz fasziniert: Der Jazz ist eine der wenigen Kunstformen, die die Spannung zwischen Individuum und Kollektiv auflöst. Ich selber spüre jedenfalls diese beiden Kräfte: Als Einzelkind gehe ich gern meinen eigenen Weg, bin aber gesellschaftlich auch gerne im Kollektiv eingebunden. Jazz gibt mir die Möglichkeit, das miteinander zu verbinden. In einer Band ist ja auch jeder ein Individuum, selbst wenn er nicht improvisiert. Letztlich improvisieren alle Bandmitglieder, egal auf welcher Position sie spielen, nur eben mit unterschiedlichen Freiheitsgraden. Im Jazz ist das Ganze mehr als die Summe der Teile. Dieses Verständnis fließt hoffentlich auch in meine Fotografie ein. Hinzu kommt, dass die Jazz-Fotografie mir sehr früh erlaubte, meine Begabungen als Musiker und bildgestaltender oder angewandter Künstler zusammenzubringen.

Musiker und ihre Instrumente – welche lassen sich besonders schwer fotografieren? Pianisten und Schlagzeuger. Schlagzeuger, weil sie sehr weit hinten sitzen und Pianisten, weil sie vom Instrument verdeckt werden. Außerdem sitzen sie oft am Bühnenrand im schlechten Licht. Bläser dagegen sind meistens gut zu fotografieren.

Wie entsteht ein gutes Foto? Durch Intuition.

Hörst du die Musik, während du fotografierst? Das ist eine schwierige Frage und vielleicht auch ein Grund, warum ich heute bei Konzerten viel seltener die Kamera raushole. Man versucht ja schon das, was für den Künstler im optischen Bereich typisch ist, zu erfassen und diesen Moment zu erwischen. Vermutlich höre ich dann auch die Musik, um zu wissen, wo’s hingeht. Es ist beides möglich: dass man sich so auf das Visuelle konzentriert, dass man die Musik aus dem Blick verliert, aber auch umgekehrt.

Bevorzugst Du Schwarzweiss oder Farbe? Viele Menschen verbinden Schwarzweiß mit Jazz-Fotografie aber ich stelle mir gelegentlich die Frage, ob das ein ästhetischer oder gelernter Reflex ist. In der Analogzeit hat man schon aus technischen Gründen Schwarzweiß fotografiert, weil anders die nötige hohe Filmempfindlichkeit gar nicht zu erreichen war. Deswegen hab ich damals auch nur Schwarzweiß fotografiert, heute aber farbig, weil die digitale Spiegelreflex-Kamera mir das erlaubt. Gelegentlich stelle ich auf Schwarzweiß und finde es dann aber fast manieristisch. Ich  bin da noch zu keinem abschließenden Urteil gekommen.

Schon mal über einen Kollegen geärgert? Ja, weil es Kollegen gibt, die es nicht draufhaben, sich möglichst unauffällig zu verhalten. Stattdessen bewegen sie sich so, als wären sie beim Konzert die Hauptfigur. Eine Herausforderung bei der Jazzfotografie besteht ja darin, selbst möglichst wenig in Erscheinung zu treten und weder die Musiker noch die übrigen Zuhörer zu stören. Daher und aus ästhetischen Gründen gilt es auch, auf den Einsatz eines Blitzes zu verzichten und lichtstarke Linsen einzusetzen. Ganz wichtig: auf jeden Fall in leises Equipment investieren! Im Extremfall kann es bedeuten, dass man auf ein Bild verzichtet, weil die Musik gerade sehr leise, aber sehr intensiv ist und das Auslösegeräusch einfach nur stören würde. Allerdings muss ich zugeben, dass ich nicht immer so respektvoll war. Mein Flash kam bei einem Ron Carter Auftritt, das ganze Konzert war extrem leise. Streng genommen hätte ich an keiner Stelle ein Foto machen können. Am liebsten hätte ich damals eine Leica Sucherkamera gehabt! Jedenfalls hat sich bei mir ein Zuschauer beschwert, der sich vom Auslösegeräusch gestört fühlte, und das hat mir nachhaltig zu denken gegeben, der Mann hatte natürlich Recht.

Hast Du versucht,  von der  Jazz-Fotografie zu leben? Schon, aber gelungen ist es mir nicht! (Lacht). 1991 hatte ich im Birdland Neuburg eine Einzelausstellung. Obwohl viele Besucher die Bilder sehr schön fanden, konnte ich kein einziges davon verkaufen, dabei schien mir der Preis mit 120 DM pro Abzug jetzt nicht astronomisch hoch. Auch der Kontakt zu  den Buch-Verlagen blieb ohne Erfolg, die haben einfach schon zu viel Ähnliches im Programm. Später ist mir dann übrigens die komplette Mappe mit den Abzügen geklaut worden! Ich glaube aber, der Dieb war mehr an der Mappe interessiert. Wie sagt man? Gutes findet am Ende doch noch seine Abnehmer.

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Frank Schindelbeck (48) fotografiert seit 1986 Jazz-Musiker. Zwar übt er seine Leidenschaft professionell, aber nicht als Profession aus. Von Jazz-Fotografie zu leben sei in Deutschland praktisch unmöglich. Anders als viele seiner Kollegen mit Riesen-Zoom-Objektiven fotografiert er nahezu ausschließlich mit lichtstarken Festbrennweiten von Zeiss, ohne Autofokus und ist der inzwischen exotisch anmutenden Marke Pentax seit fast 30 Jahren treu. Frank Schindelbeck ist Macher der Portale JazzPages, Metropoljazz.de, Jazzfotografie.de und einiger anderer Webseiten und bloggt regelmäßig in seinem Jazz-Blog. Fotos von Frank Schindelbeck erschienen bislang auf CDs, in Büchern, Zeitschriften und Zeitungen, unter anderem in der New York Times und der ZEIT sowie in Webpublikationen.

Du fotografierst schon sehr lange Live-Konzerte. Worin haben sich die Bedingungen für Fotografen gegenüber früher verändert?
Frank Schindelbeck: Bei den Konzerten bekannter Musiker und bei Festivals ist es unübersehbar, dass die Zahl der Fotografen deutlich zugenommen hat. Es gibt eine Flut von Bildern und das führt dann zwangsläufig auch zu relativ ähnlichen Ergebnissen. Andererseits ist es gerade dann interessant zu sehen: was macht der einzelne Fotograf aus der Situation? Im besten Fall sind fünf Fotografen am Werk und es kommen fünf doch sehr individuelle Bildstrecken heraus. Als Fotograf muss man seinen erkennbar eigenen Stil finden – das ist wie im Jazz: das Instrument ist letztlich egal, es kommt darauf an, was man heraus kitzelt…

Analog oder Digital – Deine Entscheidung? Heutzutage auf jeden Fall digital. Inzwischen haben die digitalen Spiegelreflexkameras eine Qualität, die analoger Fotografie überlegen ist. Gerade in der Live-Fotografie – beim Jazz, wo die Lichtverhältnisse oft sehr schwierig sind, also wenig und sehr kontrastreiches Licht – da holt man inzwischen mit aktuellen Kameras extrem viel raus. Heute haben die Sensoren Empfindlichkeiten von den man früher nur träumen konnte, die teilweise bis in den 6-stelligen ISO-Bereich gehen. Damit sind Fotos möglich, die früher nicht fotografierbar waren.

Gibt es so etwas wie den magischen Moment, wo der Fotograf eins wird mit dem Objekt? Das halte ich für übertrieben. Es gibt schon den magischen Moment in der Fotografie, wenn man den richtigen Zeitpunkt erwischt hat, das richtige Licht und wenn sich im Bild alle Details ideal zusammen fügen. Aber es ist nicht so, dass man dann einen Bogen schlägt zum Künstler, sondern das ist ein individuelles Erlebnis. Man muss natürlich sein Revier kennen und seine – ich sage mal metaphorisch – „Beute“ einschätzen können. Wie bewegen sich Musiker auf der Bühne? Was ist in den nächsten paar Sekunden zu erwarten – wenn man sehr viel live fotografiert, dann entwickelt sich dafür auch ein Instinkt.

Das Publikum – eine erste Assoziation? Man steht als Fotograf genau zwischendrin, also ich jedenfalls bin sowohl Publikum als auch Fotograf. Ich versuche mit dem Publikum gut auszukommen.

Schon mal über einen Kollegen geärgert und wenn ja, warum? Nein, konkret geärgert über Kollegen, das kann ich so nicht sagen. Es gibt Fotografen, die sind etwas nervig, weil sie ein bisschen zu oft auf den Auslöser drücken oder extrem hektisch durch die Gegend springen. Andererseits ist man selbst Teil der Horde und  tut gut daran, mit den andern etwas nachsichtig zu sein. In der Metropolregion Rhein-Neckar gibt es einen ziemlich festen Stamm von sehr professionellen Fotografen, die sich auch im Konzert dezent verhalten. Das Problem sind eher die Amateure, die als Fan zu einzelnen Konzerten gehen und dann fröhlich vor sich hin blitzen. Von den Fotografen, die das ernsthaft betreiben, setzt eigentlich keiner Blitz ein. Einer, über den ich mich geärgert habe, fällt mir doch noch ein! Vor vielen Jahren war ich bei einem Mangelsdorff Solo(!) – Konzert, bei dem ein Fotograf nicht nur herumgeblitzt hat, sondern zudem mit einem „Winder“ den Film transportierte – also ein motorischer Filmtransport zum nächsten Bild, mit einem lauten, widerlichen Geräusch. Das muss man erst einmal bringen – aber das war dann eben kein Jazzfotograf oder Kollege sondern ein Idiot mit Kamera (lacht).

Weißt du vorher, ob ein Foto gelungen ist? Grundsätzlich schon. Ich gehe oft aus Konzerten raus und weiß genau: wenn ich jetzt nicht irgendwie die Schärfe „verhauen“ habe, dann wird eine ganz bestimmte Aufnahme am Ende ein gutes Bild. Den  magischen Moment in der Dunkelkammer, wenn der Barytabzug aus der Fixierbrühe gefischt wird, den gibt es nicht mehr so intensiv aber es ist doch eine große Freude die Bestätigung am Bildschirm zu sehen.

Dein größtes Versäumnis als Jazz-Fotograf? Mein größtes Versäumnis als Jazzfotograf war – noch zu Schulzeiten – als mich ein Freund fragte, ob ich ihn nach Stuttgart begleiten wolle, dort würde ein gewisser Chet Baker auftreten. Ich habe mich damals noch nicht genug für Jazz interessiert und bin deshalb nicht mitgefahren und ein paar Wochen später ist Chet dann in Amsterdam aus einem Hotelfenster gefallen. Die Chance, Chet Baker zu fotografieren, habe ich verpasst – aber man kann sich in solchen Fällen damit trösten, dass vermutlich die Entfernung zu groß gewesen wäre oder das Licht unterirdisch schlecht…

Die Fragen stellte Elvira Steppacher

Ähm, ja, sozusagen….Die Sessionmoderation

Ein melodiestarker Trompeter und begnadeter Entertainer wandte sich nach etwa fünf Liedern an sein Publikum mit den Worten: „Wir kommen jetzt zum ersten Höhepunkt des Abends…..“ Wow, das waren doch schon lauter gute Stücke mit fantastischen Improvisationen! Läßt sich sowas steigern? Mucksmäuschenstill verharrte das Sessionpublikum: „Der Pause!“

Gewiss, nicht jedem fällt es zu, unterhaltend, souverän und obendrein authentisch mit seinem Publikum zu parlieren. Dennoch, häufig lässt sich beobachten, dass  die Moderation zwischen den Stücken einer Session vergleichsweise stark von der Güte der gehörten Musik abweicht.,

Mehr wissen, mehr hören, mehr merken
Damit verschenken Musiker und Sessionmacher Chancen. Denn durch gute Ansagen kann der musikalische Genuss steigen. Genau wie bei einem Gemälde gilt: je mehr man darüber weiß, desto mehr sieht, hört und versteht der Rezipient. Bei Sessions ist es oft so, dass die Musiker spontan beraten, welches das nächste Stück sein soll. Hin und wieder erfordern die wechselnden  Musiker oder  ein Instrumenten-Tausch Pausen, die  sich durch gute An- und Ab-Moderationen leicht auffangen ließen. Stattdessen muss das Publikum relativ lange warten und versteht womöglich akustisch nicht, was vorne passiert. Zwar schätzt das Sessionpublikum die Atmosphäre des Improvisatorischen , daher sollten Sessions auf keinen Fall zu straff organisiert werden. Das  kurze Gespräch mit dem Publikum bietet jedoch vielfältige Anlässe, um die Künstler, die Macher, den Jazz oder auch nur den Sessionort zu profilieren. Ist das Session-Konzept besonders innovativ oder besonders traditionell? Treten bevorzugt alte Hasen auf und bieten Solides oder ist es ein Ort für  junge Künstler? Ist es ausschließlich von und für Musikstudenten konzipiert? Was ist wichtig? Welche Botschaft soll das Publikum zusätzlich zu den musikalischen Aussagen mitnehmen? Es soll ja wiederkommen und möglichst durch Empfehlung für neue Zuhörern sorgen.

Mit wenig viel sagen
Im Grunde scheint alles recht einfach. Keiner kennt die Musik besser als die Künstler, auch die Set-List bestimmt die Opener-Band selbst. Daher sollte niemand die Session besser moderieren können. Dennoch ist oft genau das Gegenteil der Fall! Daher lohnt es, sich um die Moderation vorab stärker zu kümmern und sie zur profilierenden Ansprache zu nutzen.  Mit Augenmaß natürlich. Nichts ist abturnender als ein plumper Marketing-Sprech. Nein, es geht um kleine, intelligente Imagebausteine, die hier und da gesetzt werden und auf strategischen Vorüberlegungen zur Profilbildung beruhen. Wer weiß, was er mitteilen will, kann auch die Moderation bei Sessions und Konzerten souverän dazu nutzen. Gerade, weil Musik asemantisch ist, kann die Sprache helfen, den Zuhörern „Begriffe“ an die Hand zu gebe, mit denen sie von der erlebten Session berichten und sie für sich selber – als Profil der Band, der Sessionmacher – abspeichern. Weitere Anregungen für Künstler und die Bandprofilbildung im besonderen finden sich unter den unten angegebenen Links.

Zettelwirtschaft? Tesafilm, statt Improvisation
Wer nicht über ein natürliches Talent im freien Sprechen verfügt, für den hilft nur Üben. Spiegel, Kamera, Freundin, Oma – wer immer grade da ist, kann zum ersten Probepublikum werden. Noch ein letztes zum Thema Spickzettel und Nervosität. Vor einiger Zeit war ich im Lyrik-Kabinett beim Poetry-Slam. Zimbabwes bekanntester Spoken-Word-Poet „Outspoken“ – ein Bühnenprofi – fiel mir dadurch auf, dass er als erstes seinen Moderationszettel ans Mikro klebte. Das war natürlich schon so was wie die erste Nummer, und es hat funktioniert. Näher und besser vor Augen kann man die eigenen Anmerkungen und Eselsbrücken nicht haben.  Im Zweifel hilft auch, Kopien des Spickzettels in alle (!) Taschen des Jacketts oder der Hose zu stecken, die man finden kann. Einen verliert man in der Nervosität immer…

Hier die Links:

http://profilitas.wordpress.com/2012/10/04/der-kunstler-als-markenpersonlichkeit/

http://de.slideshare.net/ElviraSteppacher/presentations

http://profilitas.wordpress.com/2012/10/12/das-konzert-zur-profilbildung-nutzen/

http://profilitas.wordpress.com/2012/10/29/buhnenperformanz-gehort-ins-erste-semester-was-musiker-von-schauspielern-lernen-konnen/

Musik zum Anschauen – Jazz und Fotografie

Freddie Hubbard 20002 im Birdland, Neuburg by Dietmar Liehr

Freddie Hubbard 2002 bei einem Konzert im Jazzclub „Birdland“ in Neuburg an der Donau.  Vielen Dank an den Fotografen Dietmar Liehr (alle Rechte vorbehalten c/o dietmar.liehr@liehrdesign.de)

Jazz ist eine Kunst des Augenblicks. Genau wie die Fotografie. Wer im richtigen Moment klickt, erzeugt ein Paradox.  Zeit, Raum und Motiv sind fixiert, aber ihre jeweilige Energie pulsiert fort. Daher weist ein gelungenes Foto über das, was auf ihm zu sehen ist, weit hinaus. Es eröffnet eine weitere Dimension jenseits der physikalischen Zwei- oder optischen Dreidimensionalität.  Von Fotos kann eine magische Kraft ausgehen, die berührt oder erschreckt. Man versteht plötzlich, was es mit der Bilder-Scheu einiger Völker auf sich hat. Ein gutes Foto bannt etwas vom Wesen oder von der Seele des Fotomotivs, hält es fest, obwohl dieses, wie alles Lebendige, im Fluss ist und weiterwill in der Zeit.  Fotografische Sequenzen, fast schon an der Nähe zum Film, passen daher sehr gut zur Musik-Fotografie, obwohl sie leider immer seltener abgedruckt werden. (1)

„Et il faut voir le jazz autant que l‘ écouter. Absolutment.“
Stimmt, Guiseppe Pino! (G. Pino zählt zu meinen Lieblings-Fotografen). Außerdem vermitteln gute Jazz-Fotos etwas vom seltenen Glück der Synästhesie. Wer das Spiel ‚seiner‘ Musiker kennt und ihre Sprache versteht,  s i e h t  Musik. Durch den optischen Eindruck vermittelt sich etwas vom Geist der Musik, von dem, was sie uns sagen kann, auch wenn sie gar nichts bezeichnen will. Igor Stravinsky: „I said somewhere that it wasn’t enough to listen to music, you also have to see it“. (2) Was Jazz-Musiker deutlich von Pop-Musikern unterscheidet, ist der viel stärkere physische Einsatz und Körper-Ausdruck  in ihrer Kunst.  Egal, ob als Sänger oder Instrumentalist, wer seine individuelle musikalische Sprache finden will, braucht Mut, sich der eigenen Persönlichkeit zu stellen. Wer bereit ist, in einen ungewissen musikalischen Reifungs- oder Vertiefungsprozess einzutreten, kann diesem künstlerischen Selbst ein authentisches Gesicht und einen eigenen Klang geben. Lust, Zweifel, Ausdauer, Krisen, Anerkennung, Rückschläge, Versagens-Ängste, Erfolge … Über viele Jahre praktiziert, hinterlässt all dies Spuren:  in der Mimik, der Haltung, der Körpersprache, der technischen Charakteristik und schließlich der künstlerischen Aussage. Natürlich gibt es auch im Jazz Vorbilder, die jemand imitiert, doch die Gefahr der Pose oder des konfektionierten ‚Selbst‘-Ausdrucks ist deutlich geringer. Die der Selbstvergessenheit höher. Das macht Jazz-MusikerInnen zu  interessanten Fotomotiven.

„The music is you.“  (Sun Ra)
William Claxton, damals noch Student der Fotografie, erinnert sich an die legendäre Jam-Session im Tiffany-Club , in der Charly „Bird“ Parker einen Trompeter für sein Quartett suchte: „[Wir] fragten bei Bird an, ob ich ihn während des Sets, den sie gerade spielten, photografieren dürfte, und er gab uns mit einem Kopfnicken sein Okay. Mit verschiedenen Musikern jammte er bis drei Uhr in der Früh“. Gefragt, warum er ausgerechnet Chet Baker ausgewählt habe, antwortete er kurz und knapp, Chet blase „‘n bißchen leise und sanft, aber doch ehrlich und direkt“.

Zauberei oder er hat das Foto-Gen!
Bald darauf wurde Claxton mit den Fotos des jungen Chet Baker berühmt, fotografierte regelmäßig beim legendären Lable „Pacific Records“ und wirkte stilbildend für die Cool-Jazz-Fotografie. Wie Ikonen haben sich Claxtons Schwarz-Weiß-Bilder in das visuelle Gedächtnis nicht nur der Nachkriegsgeneration eingeprägt. Natürlich stehen sie in der Tradition der berühmten Vorgänger der Jazz-Fotografie: Ray Avery, Rolf Ambor, William Gottlieb, Francis Wolff, Rainer Rygalik… Es reicht eine kurze Beschreibung schon sieht man ihre  Bilder – z.B. John Coltrane rauchend, sein Tenorsax auf den Knien oder Lester Young und Lady (Holi-)Day flirtend im Studio usw. usw.  – Auch wenn die Schwarz-Weiß-Fotografie vermutlich überwiegt, spätere Fotografen wagten sich zum Glück auch an Farbe und produzierten wahre Farbräusche, um die Expressivität der gehörten Musik einzufangen. Bei einigen Musikern fällt es leichter, ein gutes Foto zu machen, als bei anderen. Eine Beschreibung Claxtons über den jungen Chet mag das illustrieren: „Nach dem ersten Abend im The Haig beeilte ich mich, nach Hause in die Dunkelkammer zu kommen. (…) Alle vier Musiker [des Gerry Mulligan Quartetts] sahen gut aus. Chico Hamilton war gradezu ein Bild von einem Mann. Aber das Gesicht, das wirklich hervorstach, gehörte dem jungen Trompeter Chet Baker. Als die Bilder im Entwicklungsbad (…) langsam Gestalt annahmen, ging von Chets Gesicht ein Zauber aus – der Traum eines jeden Fotografen – ein photogenes Gesicht!“(3)

Das Gespür für Musik beeinflusst die Fotografie
Einige Jazz-Fotografen sind auch Musiker. Man könnte meinen, dass sie automatisch das bessere Gespür haben, wann der richtige Moment für ein Bild gekommen ist. Womöglich achten sie aufgrund ihrer eigenen Spiel-Erfahrung auch stärker auf besonders bildstarke instrumentale Momente. Und doch gibt es keine zwingende Logik zwischen der eigenen Spielpraxis und der Güte der Fotografie. Es sei denn, man betrachtet die Kamera selbst als  Instrument. William Claxton, selbst kein Musiker, erkannte die innere Verwandtschaft beider Künste: „Jazz ist musikalische Improvisation; er ist die Kunst des Augenblicks.“ Wichtiger als Spielpraxis  erscheinen indes die Fähigkeit zur Intuition oder Sympathie eines Fotografen, um sensibel für die Dynamik einer Situation zu sein. So lobt der Trompeter Tim Hagans an Jimmy Katz, dem Haus-Fotografen des Blue Note Lables:  „Most photographers I’ve worked with, they come in (…) and they try tob e creative and they do a good job, but Jimmy has a special talent for waiting and finding that exact moment that describes the music that’s beeing mad on that, session“. (4)

Hier gibt’s weiteren Schmökerstoff und natürlich – Bilder, Bilder, Bilder! Ganz unter ein Link zum Jazz-Institut Darmstadt mit einem Verzeichnis zahlreicher Jazz-Fotografen.

[Anmerkung 24.9.012: Bitte auch die Kommentarspalte rechts ansehen, dort weitere sehr sehr schöne Links von Lesern!]

Berendt, Joachim Ernst: Photo-Story des Jazz, Frankfurt 1978

http://www.jazzphotos.com/
http://memory.loc.gov/ammem/wghtml/wghome.html
http://www.ctsimages.com/ctsimageshome.htm
http://www.cooljazzphotos.com/ARTISTS-GALLERY
http://jazztimes.com/community/profiles/113-jimmy-katz
http://www.creutziger.de/works/jazz#5
http://www.slojazz.net/
http://www.jazz-photo.com/

http://www.michaelhuber.at/assets/Archive/05JazzfotografieCoverstory.pdf

http://www.jazzzeitung.de/jazz/2002/04/jh-foto.shtml
http://www.benediktpictures.com
http://www.jazzfotosneu.at.m2301.wwwsrv.eu/index.php
http://www.jazzinstitut.de/Wegweiser/Journalist.htm#Foto

(1)      Eine unverhoffte, großartige Ausnahme bot das SZ-Magazin anlässlich einer Rammstein Tournee (6. July 2012). Vermutlich kein Zufall, dass Rammstein ein ähnlich kompromisslose Haltung zur ihrer Musik wie Jazz-Musiker haben.

(2)      Guiseppe Pino: Jazz my Love, Vade Retro Verlag, 2003 (o.p.)

(3)  William Claxton, Yong Chet, München, Paris, London 1993

(4) Joe Lovano: The cat with the hat, 2001 Verlag, 2012, S. 81

Mit oder ohne? Noten und Jazz

c/ Marian Bijlenga

Noten? Natürlich! Dank an die niederländische Künstlerin  Marian Bijlenga (Visual Artist)

Die schwarzen Punkte und die hot blackmusic fanden relativ spät zueinander, vielleicht führen beide deshalb noch heute eine eher lockere Verbindung. Der Grund lag darin, dass die meisten schwarz-afrikanischen Musiker sich ihr Handwerk durch Imitationslernen erarbeitet hatten und sehr gut nach Gehör spielen konnten. Dafür „improvisierten sie und spielten hot, d.h. mit Ausdrucksmitteln, die in der afroamerikanischen Volksmusik  ihren Ursprung hatten. Ihre Musik war im Wesentlichen instrumentaler Blues“  (aus: Sozialgeschichte des Jazz, Ekkehardt Jost, 2001-Verlag,  S. 41). Demgegenüber folgte die musikalische Ausbildung der Kreolen an der europäischen Stilistik, inklusive dem Erlernen der Kunst des Vom-Blatt-Spielens.  Improvisation war nicht vorgesehen. Im Gegenteil: „Auf die illiteraten Brüder und deren  unkultivierte Musik sahen die Kreolen verächtlich herab (ebd. S. 41). Rivalität, wohl auch ein gewisser Neid der Notisten auf die besonderen Fähigkeiten der musikalischen Analphabeten schloss das nicht aus: Der 14jährige „Little Louis“ Armstrong erlebte, mit welchen Tricks der Kornettbläser Freddie Keppard seine musikalischen Ideen vor Kopisten zu bewahren suchte: „Wenn er zum Beispiel bei Paraden spielte, fiel er dadurch auf, dass er (typisch für einen Kreolen) seine Hand mit einem Taschentuch umwickelte, damit die anderen Kornettbläser seinen Fingersatz nicht sähen. Ich fand das blöd; aber das war echt Freddie!“ (Louis Armstrong, mein Leben inNew Orleans, Diogenes, 1977,  S.55)

Armstrong verfügte über ein exzellentes Gehör. Er brauchte keine Fingersätze zu sehen, um eine musikalische Phrase oder ein bestimmtes ‚Lick‘ zu reproduzieren. Als er sein erstes festes Engagement in der Band von Kid Ory erhält – immerhin als Ersatz für den bekannten Kornettisten Joe Olivier – bewahrt ihn diese Gabe vor Lampenfieber und einem möglichen Versagen: „Da ich Joe immer zugehört hatte, wenn er mit Kid Ory spielte, hatte ich fast alles von ihm behalten. Ich beherrschte mein Instrument schon sehr gut, hatte ein vorzügliches Gehör (ich habe es immer noch) und konnte sehr rasch „folgen“ (ich kann es heute noch).“ (Armstrong, S. 145)

Dass es zwischen Notisten und Auswendigspielern zu einer Annäherung kam, lag unter anderem an den Brass-Bands, weil hier die sogenannten Routiniers, also erfahrene „ear musicians“  (Wiliam J. Schafer) und notenkundige Musiker zusammenspielten (nach E. Jost, S.45).  Die Brass Bands  in New Orleans waren fest in das gesellschaftliche Leben integriert, sie spielten zu Wohltätigkeitsveranstaltung, Paraden, Gartenparties, Beerdigungen und so fort. Stilistisch gesehen führte die Verschmelzung kreolisch-europäischer und afro-amerikanischer Musikkonzepte zum Jazz, wie wir ihn heute kennen, mit Blue Notes, off beats, Synkopen, Growl- Effekten  usw. aber auch klassischen Kadenzen, Downbeats  – und einem europäischen Notensystem.

Als die Unterhaltungsindustrie erkannte, dass mit Jazzmusik Geld zu verdienen war, begann  der Siegeszug der Notisten, besonders, wenn es um komplizierte Partituren ging, waren sie überlegen. Sie konnten in jeder Formation spielen, wogegen die anderen auf ihre vertrauten Bands festgelegt waren (E. Jost, S. 50).

Heute kann die überwiegende Mehrzahl der Jazzmusiker sehr gut Noten lesen – auch ein Ergebnis der verstetigten Akademisierung des Fachs. Dennoch hat sich die Tradition des learning and playing by ear gehalten. Ein versierter Jazzer kann zwischen 400 bis 600, manchmal sogar bis zu 1.000 Standardstücke (aus dem Realbook) auswendig spielen und kennt die dazugehörigen Harmonien. Daher kommen die meisten Profimusiker auf Jam-Sessions ohne Notenblatt auf die Bühne. Einigen professionals gilt es als No-Go, das vorgeschlage Stück bei einer Session nicht sofort auswendig spielen zu können. Allenfalls eine ungewöhnliche Tonart – zum Beispiel, weil die Stimme eines Vokalisten eine Transposition erfordert – erlaubt einen diskreten Blick ins Leadsheet – pardon, inzwischen ins iPad oder iphone. Auf anfängertauglichen Bühnen wird das Thema mit oder ohne? bei Sessions eher locker gehandhabt.

Es gibt ein schönes Foto von Guiseppe Pino, dem unvergleichlichen italienischen Jazz-Fotografen. Seinen Bildband „Jazz my Love“ muss jeder Jazzliebhaber mindestens einmal durchblättert haben – aber Achtung, es wird das längste Schmökern seines Lebens, so viel sei vorab verraten. Gleich am Anfang gibt es eine wunderbare Aufnahme, die das perfekte Sinnbild für diesen Post wäre. Sie zeigt einen schwarzen Musiker am Tenorsaxophon, der 1973 vor dem mächtigen „The Bank of New York Building“ konzentriert und versunken spielt. Am Boden ein kleiner Teller mit lausigen Pennies und einer gefalteten (One-? oder Five-?)-Dollarnote. Eine weiße Passantin geht achtlos vorüber, eine schwarze junge Frau lauscht verstohlen in der Ecke. Ist sie skeptisch über den gewählten Standort? Wir wissen es nicht. Vor dem Musiker jedenfalls steht ein Notenständer. Darauf: Nichts…

http://www.perlentaucher.de/buch/giuseppe-pino/jazz-my-love.html
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Real Book, Bibel der Jazzer (Teil 2)

„Success has many parents but failure is always an orphan.“ John F. Kennedy

Keine Regel ohne Ausnahme. Denn zum Real Book will das Diktum des Präsidenten nicht recht passen. Zwar ist das Buch der Bücher mehr als erfolgreich, aber offiziell traut sich niemand, seine Vaterschaft anzunehmen.  So bleibt das am Berklee College of Music in geheimer Mission geschaffene Wek bis auf weiteres Waise. Mindestens drei Männer stehen in Verdacht, an seiner Erzeugung im Untergrund beteiligt zu sein: Der Bassist Steve Swallow, der Pianist Paul Bley und der Komponist Stu Balcomb.  Diese Argumente geben der Vermutung Nahrung: Etliche Stücke aus der ersten Auflage des Real Books entstammen von den Genannten oder aus dem Umkreis ihrer Freunde (Pat Metheny, Chick Corea). Aber das kann auch schlicht dem Zeitgeschmack geschuldet sein. Steve Swallow und Paul Bley haben ihre Beteiligung an der Urheberschaft nie hart dementiert. Da die erste Ausgabe handschriftlich transkribiert wurde, dürfte die Zuordnung, zumindestens der Abschrift, eigentlich nicht unmöglich sein. Der Hobby-Musiker und Historiker Mike O’Malley vermutet in seinem Blog The Aporetic:

„The Real Book was orig­i­nally drawn up by some­one  with really good musi­cal pen­man­ship: some­body who, before the dig­i­tal age, worked pro­fes­sion­ally as a copy­ist or arranger.“ Barry Kern­feld,  Autor von The Story of Fake Books. Bootlegging Songs to Musicians , interviewte sogar die Macher, half ihnen jedoch bei der Tarnung, indem er ihre Identität nicht preisgab.  Mike O’Malley: „They were stu­dents, and they wanted both to fund their stud­ies and also to give music stu­dents a bet­ter, more sophis­ti­cated, hip­per set of charts. They ran off copies at a copy cen­ter, and it quickly went viral“.

Die erste legale Ausgabe von Hal Leonhard (6th Edition) kam erst 2004 auf dem Markt, allerdings hatte der Verlag all jene Songs getilgt, bei denen die Urheberrechte nicht einwandfrei ermittelt werden konnten. So fehlten fantastische Stücke wie „Alone together“ oder „On Green Dolphin Street“, was die Akzeptanz erschwerte, obwohl andere hinzugefügt wurden.

Inzwischen gibt unzählige Sammlungen, Michael Sattler hat sie auf einer eigenen Seite zusammengestellt und natürlich das iReal Book  als App für iphone und iPad – Early birds konnten sogar noch die Musik dazu ergattern. Die Entwicklung der einzelnen Ausgaben haben  der Musiker Peter Spitzer, Mo Müller und der Historiker und Hobby-Musiker Mike O’Malley in ihren Blogs ausfühlich beschrieben, alle unbedingt nachlesen!

Die eigentliche Frage allerdings, ob es überhaupt Leadsheets geben solle, da ein richtiger Jazzer alles by ear draufhaben müsse, führt zu einem neuen Blogpost.

http://peterspitzer.blogspot.de/2011/04/review-story-of-fake-books-and-6th.html
http://www.jazzwebsite.blogspot.de/2006/06/real-book-story-of-jazz-bibel.html
http://www.jazzwebsite-reviews.blogspot.de/
theaporetic.com/?p=1094
http://www.michaelsattler.de/realbooks/

Die Jazzpolizei

Der Jazzpolizei fehlt die Notrufnummer. Das ist ihr zentrales Problem. Jeder weiß, dass es sie gibt aber niemand kann sagen, wo man sie findet. Wie bei der Mafia, null Service-Orientierung und total retro. Ist doch wahr. Die Jazzpolizei soll  sich endlich eine ordentliche Hotline zulegen.  Aber pronto per favore.  „Guten Tag, Sie sprechen mit Hauptkommissar Meier von der Jazzpolizei. Wie kann ich Ihnen weiter helfen?“ Ideal wäre die Nullachthundertzweifünfeins.  Jeder  kann sich das einprägen, Jazzliebhaber sowieso. Also, liebe T-Kom-Helferlein, reserviert doch bitteschön vorsorglich schon mal die 0-800-II-V-I für die lieben Kollegen, Service geht bei Euch doch in 240 Zeichen! https://twitter.com/#!/search/telkom%20hilft

Über die Jazzpolizei kursieren allerhand Gerüchte. Bei  jeder Jamsession soll mindestens ein Undercover- Beamter im Publikum sitzen. Der typische Jazzpolizist ist männlich, weiß, gebildet, konservativ, europäisch und frustriert. Kurzum: beinahe die Hälfte der bundesdeutschen Bevölkerung besucht Konzerte in verdeckter Mission. Noch Fragen?

Nein ernsthaft, Jazzpolizisten sind Männer zwischen 50 und 60,  die partout glauben, dass nach Louis Armstrong  und Benny Goodman nur noch bekiffte Idioten am Werk waren. Degenerative Nichtskönner, die dem traditionellen, guten Jazz mit modernen Mätzchen, Drogen und schrägen Akkorden den Gar ausmachen. Vom Stomper zum Stümper eine einzige Verfallsgeschichte. Na schön, das war vielleicht ein bisschen arg. Immerhin gibt es Jazzpolizisten, die  Charly Parker und Miles Davis gelten lassen, aber dafür die 80er Jahre so richtig verdammen. http://www.laut.de/Jazz-%28Genre%29

Berührung mit der Jazzpolizei haben zahlreiche Künstler gehabt, von der Nachkriegsjazz-Legende Paul Kuhn bis hin zu Gretchen Parlato – sogar beim Internationalen Jazzfestival in Montreux. Aber die wenigsten sprechen gern davon. Als wärs so ’ne Art gelbe Karte. Beim Freejazz allerdings zieht der Jazzpolizist Rot. So nicht, Sportsfreundchen, raus aus dem Jazz, Abmarsch! Free ist definitiv der Anfang vom Ende. Keine Form, kein Thema, kein Halten.  Viel zu rauh, zu revolutionär, zu aggressiv, um noch Jazz zu sein.

Irgendwie kann man’s der Jazzpolizei nur schwer recht machen. Henning Sieverts verrät im Herrenzimmer, dass  die Jazzpolizei Till Brönner gerne vorwerfe,“  er mache gar keinen Jazz. Seine Musik sei zu glatt und ohne Aggressivität.“ http://bit.ly/OqwXBU

Manche Menschen sind aber doch froh, dass es die Jazzpolizei gibt, was hier nicht unterschlagen werden soll. Forumsteilnehmer nabatov zum Beispiel vermerkt, dass der Besucher eines Jazz-Festivals sein Eintrittsgeld zurückforderte, weil die Musik für ihn kein Jazz gewesen sei. Wynton Marsalis – der Konservativste unter den Modernen – versuchte angeblich mit ein paar seiner eigenen Cds zu retten, was zu retten war. Wenig genug: Als man dem verärgerten Zuhörer die Rückzahlung verweigerte, holte er die Polizei.

Und die Moral von der Geschicht? Lieber erst mal hinhören, auch bei der Jazzpolizei. Es gibt sie nämlich doch. Ihre Mission? „Stets im Einsatz gegen das organisierte  Erbrechen…“  oder wie die Band von sich selbst sagt, als „spektakuläre Alternative zu Beamtenjazz  und Halbglatzenswing“.  Hier gehts zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=qYR0AYKpJys
Jetzt frag ich mich doch : Wer schreibt eigentlich bei Wikipedia den Artikel  Klamaukjazz?!

http://www.youtube.com/watch?v=qYR0AYKpJys&feature=relmfu
http://www.kurzefrage.de/musik-partyzone/265171/Dass-es-eine-Jazz-Polizei-gibt-weiss-ich-gibt-es-denn-auch-eine-Rock
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1493965/
http://www.m.news.de/medien/855172636/paul-kuhn-haelt-nicht-viel-von-bloeden-basedrums/1/
http://www.herrenzimmer.de/2007/01/22/melanchophon-mark-wyand-eye-to-eye/
http://www.jazzcity-net-edition.de/jazzpolizei/39-jazzpolizei/517-ach-fas
http://www.laut.de/Jazz-%28Genre%29

http://feedback.telekom-hilft.de/#

Als Intro acht Takte voraus

Ein Blog nur  über Jam- Sessions, trägt das denn? Nun – an Stoff herrscht vorerst kein Mangel. Seit einigen Jahren hab ich Jazz als Musik und als Haltung entdeckt. Seitdem war ich bei vielen Sessions zu Gast. Die ersten Jahre nur als Zuhörerin, später als Einsteigerin. Viel zu lernen war an jedem einzelnen Abend. Der Werkstatt-Charakter, das  Offen-Experimentelle dieser Kunst aus dem Augenblick heraus faszinieren mich. Einige der Gesetze zeigen sich bei einer Session sofort, manche erst mit der Zeit. Vor allem Anfänger scheuen deshalb den Weg auf die Sessionbühne. Aus Gesprächen weiss ich, dass viele Zuhörer bewundern, wie spontan alles entsteht und wie es dem Schein nach ganz ohne Regeln funktioniert, aber es schreckt auch ab. Mein Blog soll Hemmungen abbauen helfen und zum Mitspielen ermutigen. Als Hobbymusiker hat man oft schon genug mit dem Finden der richtigen Tönen zu tun, der Rest sollte nicht unnötig viel Aufmerksamkeut binden. Das Thema Jam-Session hat seine ernsten, aber auch humorvollen Seiten. Ich hoffe, dass meine Ironie in manchen Posts niemanden verletzt. Im Dezmber letzten Jahres hab ich für kurze Termine und Hinweise  die Seite Jam-Radar auf Facebook eingerichtet.  Platz für etwas längere  Improvisation über ein Thema findet sich dort nicht.  In meinem Sessionblog schon… Ich freue mich über Einsteiger und solche, die es werden wollen.

Let’s jam!
Elvira Steppacher

A session a day… im Jamradarkalender

Fünf typische Ansagen und was der Sessionleiter wirklich damit meint

Er  ist Moderator, Seelentröster, Schiedsrichter und Publikumsanwalt. Der Sessionleiter oder Master of Ceremony (MC) sorgt dafür, dass die Jamsession gut über die Bühne geht. Weil er das erste und letzte Set mit seiner eigenen Band spielen kann, nimmt er die Zeit dazwischen – die eigentliche Session – wohl oder übel in Kauf.

Fünf typische Ansagen hat er fest im Repertoire, aber wie echte Diplomaten sagt auch er nur das laut, was er nicht denkt:

„Was wollt ihr denn machen?“ [Die Frage ist überflüssig, der MC weiss ohnehin, dass er bei der Antwort sehr tapfer sein muss: Autumn leaves, Blue Bosssa, Mercy, mercy, mercy. Vor seinem inneren Auge läuft die Playlist, Korrektiven werden bald für alle sichtbar.]

„Wir machen jetzt eine kurze Pause und dann geht’s weiter!“ [Seine Ohren tun weh, sein Magen braucht als Ausgleich: das Freigetränk, seine Gage.]

„Ach, dann machst du das eben beim nächsten Mal!“ [Zum Schein mitfühlend an enttäuschte Sängerin – der MC hat für seinen Geschmack schon genug von ihrer Spezies ausgehalten.]

 „So, das ist dann das letzte Stück!“ [Der Mc verliert nie die Nachbarn mit der Kurzwahltaste zum Polizeinotruf aus dem Blick. Alle anderen, die sich grade eingegroovt haben und finden, dass die Session jetzt erst richtig gut wird, sind natürlich baff.]

„Vielen Dank, ich hoffe, der Abend hat Ihnen genauso viel Spaß gemacht wie uns!“ [Der MC ist froh, dass Musik  zu den flüchtigen Künsten gehört. Dabei hat sich das Publikum gut amüsiert und alle falschen Akkorde für großartigen Jazz oder tief gefühlten Blues gehalten.]

Sprechen oder Spielen? Das ist hier die Frage!

Foto(1)

Die Jam-Session lebt vom Experiment. Neue, ungewohnte, ja womöglich riskante musikalische Improvisationen sind keine Seltenheit. Gründe gibt’s viele: Manchmal sind die Stücke, die vorgeschlagen werden, nicht ganz geläufig, manchmal werden sie in einer unüblichen Tonart gespielt oder es passiert irrtümlich ein Versehen, das dann musikalisch interessant wird.

Klar, dass das kommentiert wird, nicht nur vom Publikum, sondern auch von den Musikern auf der Bühne. Kleine Gesten lassen erkennen, dass es den Mitspielern nicht entgangen ist. Teilweise wird auch ganz ungeniert laut das Gespräch gesucht, meist mit dem Nächststehenden. Bei keinem Konzert erlebt man so viel Austausch, wie  während einer Session. Die Stücke, die Tonart, das Tempo, die Reihenfolge der Solos, ob und wie viele Takte die Rhythmusgruppe voraus spielt – all das muss geklärt werden. Je unprofessioneller die Teilnehmer, desto länger kann’s dauern, einfach, weil die gemeinsame Schnittmenge nicht groß genug ist. Sicher, auch bei professionellen Spielern braucht es Absprachen. Meistens aber sind sie schneller getroffen.

Prinzipiell ist das Gespräch also nicht wesensfremd, es unterstreicht vielmehr den experimentellen Charakter jeder Jam-Session. Es darf also gesprochen werden, warum auch nicht. Nervig allerdings ist es, wenn Dauerquatscher auf der Bühne stehen. Sie machen nicht nur ihr eigenes Solo zum ausführlichen und leider auch lauten Gesprächsthema, sondern oft auch das der anderen und kommen von Hölzchen auf Stöckchen.

Mich persönlich nerven diese Spieler und ich versuche, möglichst nicht in ihrer Nähe zu stehen. Aber ihnen zu entkommen, ist mitunter unmöglich. Ich empfinde ihr Verhalten als unmusikalisch und unkollegial. Sie lenken mich vom Zuhören ab, sie stören die Konzentration der anderen Solisten und sie verhindern, dass alle auf der Bühne das tun, was sie sollen: die ad-hoc-Band und ihre Spieler so zu stützen, das jedes Mitglied das Beste aus dem Moment geben kann.

Möglichkeiten dazu gibt es viele: Es kann ein Riff sein, das ein Musiker spontan entwickelt und in das andere einsteigen, um noch stärker mit einem Solisten zu interagieren, es kann eine melodische Umspielung des Themas sein  oder schlicht und einfach die Energie der Konzentration. Nach dem Energieerhaltungsgesetz, das Etwas nicht zu Nichts werden kann.