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Max und sein Sax: Wer zuletzt lacht, spielt am besten…

Musikalisches Wunderkind, Ausnahmetalent, Saxophongenie – Max Treutners Begabung weckt große Begriffe, sein Tenorspiel einfach nur Staunen. Die spielerische Souveränität des Vierzehnjährigen, der 2010 und 2012  als bester Solist bei „Jugend jazzt“ (Baden-Württem- berg) hervortrat, fasziniert auch ohne Musikverstand. Beim 33. Internationalen Jazz Workshop in Erlangen verriet Max, warum ihm um vier Uhr E-Dur einfällt, weshalb er null Bock auf Punk hat und warum er „Blue Bossa“ auf Jam Sessions hasst. Außerdem lernen wir: Bei Hochbegabten hat Auslachen mal kein übles, sondern ausnahmsweise ein gutes Nachspiel.

MaxTreutnerMax, wie lange musizierst Du?
Ich mache Musik seit ich 8 bin, also seit ungefähr 6 Jahren. Begonnen hab ich im Gruppen-Unterricht unserer Gemeinde. Da durfte jeder mal in eine Trompete reinpusten und das hat mir schon Spaß gemacht. Aber ich war nicht so gut, schon gar nicht der Beste. Der Lehrer hat gesagt: Jetzt spielt mal ein C und ich hab nicht mal gewusst, dass man es offen, also ohne Ventile, spielt. Daher hab ich ziemlich viele falsche Töne gespielt und die anderen haben mich alle ausgelacht.

Das ist ja unfair! Wie bist du damit umgegangen?
Mein Vater hat bei Ebay mein erstes Saxophon, ein Expression, ersteigert. Dann hab ich mit dem Buch von Dirko Juchhem „Mein schönstes Saxophon-Hobby“ angefangen zu üben. Da werden alle Noten erklärt. Auf dem Saxophon hab ich dann jeden Tag gespielt, das hat  mir dann auch richtig Spaß gemacht.

Hat sich jemand aus der Gruppe bei Dir entschuldigt?
Na, ja, mein Freund, der damals auch gelacht hat, sagt heute: eigentlich müsstest du mir dankbar sein. Außerdem hat er eine Woche nach mir in der Musikgruppe aufgehört, weil er ja mit mir zusammen was machen wollte.

Wann hast Du bemerkt, wie begabt du bist?
Als ich die ersten Stücke nach wenigen Tagen konnte und gleich einen schönen Ton hatte. Außerdem fiel mir alles viel leichter als meinem Vater, der ja mit mir angefangen hat. Während sich mein Vater zum Beispiel für eine Stück zwei Tage vorbereitet hat, um es einigermaßen zu spielen, konnte ich es, wenn er mir die Noten gezeigt hat, in fünf Minuten schon besser als er.

Gibst Du Dir und der Trompete irgendwann eine zweite Chance?
Eher nicht, ich spiel ganz gerne Klavier, auch ein bisschen Bass und Gitarre, aber ganz wenig.

Fährst Du manchmal zu Jam Sessions?
Ja, in Aidlingen gibt es Sessions während der Jazzworkshops, so wie hier in Erlangen, außerdem machen die einmal im Monat eine Session, da hab ich mich manchmal dazu gesellt. Aber eigentlich find ich‘s nicht so besonders, in Jam Sessions zu spielen.

Warum?
Weil jeder halt irgendwie so ungeplant spielt und meistens Blue Bossa, das Stück hass ich, weil es meistens so langweilig gespielt wird. Klar, wenn Joe Henderson das spielt, dann find ich‘s natürlich schon interessant. Mit guten Musikern macht auch mir eine Session Spaß.

Lässt Du dich auf Experimente ein oder gehst Du gut vorbereitet hin?
Ich geh eher geplant vor, komme also mit ein paar Stücken, die ich spielen will, zur Session. Aber klar, wenn ein Blues oder so gespielt wird, mach ich auch spontan mit. Bei Stücken, die ich nicht vorbereitet hab, da spiel ich eigentlich nicht mit, weil die andern sich sicher auch vorbereitet haben und ich dann nicht mit rein platzen will.

Wie bereitest du dich vor?
Auf Stücke weniger, aber auf die Changes schon, da schau ich mir die verschiedenen Akkorde und II-V-I-Verbindungen an. Ich transkribiere viel, kopiere Licks, erfinde selber welche. Ich improvisiere einfach darüber.

Was und wie lange übest du?
Ich übe nur Technik, dann Etüden und Tonleitern. Etwa eine dreiviertel bis eine Stunde. Am Schluss spiele ich mal was, was richtig Spaß macht, aber sonst übe ich nur das, was mir auch was bringt. Technik muss man sich immer erarbeiten, das kostet jeden – mich auch – viel Zeit. Schwer zu spielen ist es nicht. Das  Schwierigste ist, das alles in den Kopf reinzukriegen. Je langsamer es reingeht, desto langsamer geht’s auch wieder raus.

Klingt sehr strukturiert, oder?
Zuhause haben wir drei Uhren, in denen der Quintenzirkel abgedruckt ist. Daran orientier ich mich manchmal, also um vier spielen wir dann E-Dur oder so was. Alle die zu uns kommen, fragen sich dann schon mal, was das für ein Geheimcode ist, aber man prägt sich das leichter ein. Auch mein kleiner Bruder Cedric, der nächstes Jahr mit auf den Workshop kommen will, kann sich das dann besser merken. [Übrigens, so sieht sie aus, die Uhr…. http://www.uvds-design.com/quintenzirkeluhr/flash-intro.html]

Wie gehst du mit Fehlern um?
Wenn ich einen Fehler mache,  sind das ja eigentlich Lernprozesse.

Zählt das Fach Musik zu deinen Favoriten?
Doch Musik ist ganz gut, aber, was mir nicht so gefällt, ist, wenn wir andere Musikrichtungen durchnehmen,  Punk zum Beispiel interessiert mich gar nicht.

Wie steht es um deine Leistung in den anderen Fächern?
Durchschnittlich würd ich sagen.

Wie bist du auf Jazz gekommen?
Eigentlich gibt’s ja keine andere Musikrichtung, die man auf dem Saxophon spielen kann. Jazz, Blues, Funk. Blues ist ganz einfach und ganz schwer.  Etwas Neues darüber zu spielen, ist schwer, aber es macht mir auch sehr viel Spass.

Jede Improvisation in einem Solo ist eine Komposition. Komponierst du auch eigene Themen?
Ich hab nur ein Stück geschrieben, den Treutner Blues.

Welches sind Deine Vorbilder?
Sonny Rollins, Eddie Lockjaw Davis, Johnny Griffin, Oscar Peterson, John Coltrane, Chet Baker, Miles Davis, John Coltrane.  Der frühe Sonny Rollins gefällt mir allerdings besser. Der hat alles so klar gespielt und so schöne Melodien erfunden. Heute lebt er, glaub ich, auf dem Bauernhof, steht morgens auf, geht zu seinen Kühen, dann übt er,  10 Stunden, dann kümmert er sich um seine Tiere.

Wäre das auch ein Leben für dich?
Nein. Aber wenn ich Musik studieren will, muss ich auch mehr Zeit am Tag musizieren. Ein Dozent hat mir vorgeschlagen, ich soll am Wochenende mal probeweise acht bis zehn Stunden üben, das hab ich ihm jetzt versprochen.

Vielen Dank für das Gespräch, Max.
Das Gespräch führte Elvira Steppacher

Dieser Link führt zum Max Treutner-Channel auf You Tube mit diversen Auftritten http://www.youtube.com/user/maxophonde/videos?view=0  und hier gelangt man zu seiner Homepage: www.maxophon.de

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