Real Book, Bibel der Jazzer (Teil 2)

„Success has many parents but failure is always an orphan.“ John F. Kennedy

Keine Regel ohne Ausnahme. Denn zum Real Book will das Diktum des Präsidenten nicht recht passen. Zwar ist das Buch der Bücher mehr als erfolgreich, aber offiziell traut sich niemand, seine Vaterschaft anzunehmen.  So bleibt das am Berklee College of Music in geheimer Mission geschaffene Wek bis auf weiteres Waise. Mindestens drei Männer stehen in Verdacht, an seiner Erzeugung im Untergrund beteiligt zu sein: Der Bassist Steve Swallow, der Pianist Paul Bley und der Komponist Stu Balcomb.  Diese Argumente geben der Vermutung Nahrung: Etliche Stücke aus der ersten Auflage des Real Books entstammen von den Genannten oder aus dem Umkreis ihrer Freunde (Pat Metheny, Chick Corea). Aber das kann auch schlicht dem Zeitgeschmack geschuldet sein. Steve Swallow und Paul Bley haben ihre Beteiligung an der Urheberschaft nie hart dementiert. Da die erste Ausgabe handschriftlich transkribiert wurde, dürfte die Zuordnung, zumindestens der Abschrift, eigentlich nicht unmöglich sein. Der Hobby-Musiker und Historiker Mike O’Malley vermutet in seinem Blog The Aporetic:

„The Real Book was orig­i­nally drawn up by some­one  with really good musi­cal pen­man­ship: some­body who, before the dig­i­tal age, worked pro­fes­sion­ally as a copy­ist or arranger.“ Barry Kern­feld,  Autor von The Story of Fake Books. Bootlegging Songs to Musicians , interviewte sogar die Macher, half ihnen jedoch bei der Tarnung, indem er ihre Identität nicht preisgab.  Mike O’Malley: „They were stu­dents, and they wanted both to fund their stud­ies and also to give music stu­dents a bet­ter, more sophis­ti­cated, hip­per set of charts. They ran off copies at a copy cen­ter, and it quickly went viral“.

Die erste legale Ausgabe von Hal Leonhard (6th Edition) kam erst 2004 auf dem Markt, allerdings hatte der Verlag all jene Songs getilgt, bei denen die Urheberrechte nicht einwandfrei ermittelt werden konnten. So fehlten fantastische Stücke wie „Alone together“ oder „On Green Dolphin Street“, was die Akzeptanz erschwerte, obwohl andere hinzugefügt wurden.

Inzwischen gibt unzählige Sammlungen, Michael Sattler hat sie auf einer eigenen Seite zusammengestellt und natürlich das iReal Book  als App für iphone und iPad – Early birds konnten sogar noch die Musik dazu ergattern. Die Entwicklung der einzelnen Ausgaben haben  der Musiker Peter Spitzer, Mo Müller und der Historiker und Hobby-Musiker Mike O’Malley in ihren Blogs ausfühlich beschrieben, alle unbedingt nachlesen!

Die eigentliche Frage allerdings, ob es überhaupt Leadsheets geben solle, da ein richtiger Jazzer alles by ear draufhaben müsse, führt zu einem neuen Blogpost.

http://peterspitzer.blogspot.de/2011/04/review-story-of-fake-books-and-6th.html
http://www.jazzwebsite.blogspot.de/2006/06/real-book-story-of-jazz-bibel.html
http://www.jazzwebsite-reviews.blogspot.de/
theaporetic.com/?p=1094
http://www.michaelsattler.de/realbooks/

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