Der Sessionvater – Ein Lob auf das Ehrenamt im Jazz

Er heißt Franz, Peter, Dietmar oder Bernd. Er ist zuverlässig, ausdauernd, selbstorganisiert. Auf jeder Session ist er der Erste, der kommt und der Letzte, der geht. Nicht weil er so viel spielt, sondern weil er so viel aufbaut und wegräumt. Hat er überhaupt heute Abend gespielt?

Wie wichtig  er ist, merkt man dann, wenn er ausnahmsweise mal fehlt. Wo sind nochmal die Notenständer? Hat mal einer ein Cinch-Kabel? Was?! Schon halb neun und alle sind noch mit dem Aufbauen beschäftigt?

Der Session-Vater – er selbst würde sich nie so nennen – verdient das Rampenlicht. (Session-Mütter natürlich auch.) Dabei scheut er nichts mehr als dieses. Man darf ihn getrost die gute Seele jeder freien Kultureinrichtung nennen. Ohne Sessionväter keine Session-Kultur. Musiker sind auch nur Menschen: Sie wollen nach dem Auftritt quatschen, trinken, abhängen. Oder schnell nach Hause, besonders, wenn sie einem Brotberuf nachgehen. Der Session-Vater tickt anders. Auch, als er noch kein Rentner war. Er weiß, dass seine Jazzer nicht den besten Ruf haben, dass Ordnung ein durchaus interpretierbarer Begriff ist. Daher hält er, stellvertretend für sie, den ganzen Laden in Schuss. Für Jahre, oft Jahrzehnte übt er ein Ehrenamt aus, ohne, dass ihm besonders viel Ehre dafür zu Teil würde. Amt dagegen schon.

Die UNESCO hat den 30. April zum Internationalen Tag des Jazz erkoren. Er soll „Künstler, Jazz-Enthusiasten, Historiker und Wissenschaftler sowie Musikeinrichtungen und Schulen zum Dialog anregen und die universelle Bedeutung des Jazz bewusst machen“. (http://www.unesco.de/welttag_jazz.html) Wo bleibt der Welttag zu Ehren der Session-Väter?! Wahrscheinlich würde eine offizielle Anfrage auf den 1. Dezember verweisen – den International Volunteer Day oder den Internationalen Tag des Ehrenamtes. Übrigens: Danksagungen, Orden und Geschenke nehmen Session-Väter und -Mütter meines Wissens jederzeit entgegen.

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