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Subvention kills Veränderungsprozess?

Image-1Auf Xing läuft eine interessante Diskussion in der Jazz-Community, ausgelöst durch einen „Aufruf für alle“ von Ulrich Pfahler weil „immer mehr Jazzclubs aufgeben müssen oder Jazzfremde Veranstaltungen organisieren müssen damit ein Überleben möglich ist“. Die sich entzündende Diskussion brachte viele Argumente hervor, bekannte und unbekannte – wer will, möge die Originalbeiträge dort nachlesen. Ganz unten habe ich einige im Überblick zusammengestelt.

Wenn Du keine Kohle machst, verändere Dich

Interessanter noch als die zum Teil bekannten Argumente fand ich die Debatte, die sich um die Subvention von Jazz (Musikern und Spielstätten)  dreht. Das Thema Subventionierung polarisiert stark – übrigens keineswegs nur bei Musik, sondern etwa auch bei Medien. An anderer Stelle habe ich zum Thema Subvention geschrieben (http://profilitas.wordpress.com/2013/06/08/hier-spielt-die-musik-was-musiker-journalisten-voraushaben/).

„Subvention kills Veränderungsprozess. Und der ist hier einfach bitter nötig.“

„Schrecklich finde ich die Idee, hier zu subventionieren. Von meinen Steuergroschen bitte nicht. Wenn ein Künstler / Veranstalter kein Geld mit der Kunst verdient, ist er vielleicht einfach nur schlecht.“

„Da könnte man jede Branche subventionieren, wenns mal mit dem Geld verdienen nicht so klappt. Der Bäcker an der Ecke, der Apfelstreusel für zu trivial hält und deshalb ausschließlich Pomelo-Remouladenkuchen anbietet. Der Taxi-Fahrer, der die Kundschaft nicht mehr zum Bahnhof fährt, weil das unter seinem Niveau ist.“

„Ich könnte es mir nicht leisten, den Kunden für meine Armut verantwortlich zu machen. Für alle Unternehmen auf diesem Globus gilt das selbe: Wenn Du keine Kohle machst, verändere Dich.“

Jazz. so höre ich heraus, das ist Freiheit, Lebendigkeit.Veränderung Subvention, das ist (politische) Reglementierung, Pseudo-Lebendigkeit und Erstarrung – beides passt jedenfalls nicht zusammen! Die Argumente waren für mich Anregung, nochmal darüber nachzudenken, ob Subventionen in der Musik wirklich so schlecht sind. Mir scheint, es wäre es hilfreich, das Thema Subvention differenzierter betrachten und erst einmal einiges ausprobieren, bevor man es ad acta legt. Fünf persönliche Einschätzungen:

  1. Subvention ist für mich nicht per se antikünstlerisch. Im Gegenteil: durch die Entlastung vom Zwang der Wirtschaftlichkeit entsteht vom Grundsatz her eher Freiheit – im Denken, Ausprobieren etc. Jedes Museum, jede Theaterbühne, jede Universität, jeder mäzenatische Ansatz wäre kunstfeindlich, dem ist aber nicht so.
  2. Die Marktorientierung: nur was verkauft, ist gut und hat seine Existenzberechtigung, ist mir jedenfalls – auf dem Feld der Kunst – zu einseitig marktgetrieben. Das Beispiel Medien zeigt sehr deutlich, dass Qualitätsjournalismus sich eben nicht zwingend von alleine verkauft, aber trotzdem unverzichtbar ist.
  1. Subvention und Wettbewerb schließen sich nicht automatisch aus. Ich gebe gerne zu, dass es schlechte Beispiele gibt, wo durch Subventionen Überproduktion, falsche Anreizen und anderes Schlechtes mehr erzeugt wird (nicht zuletzt Subventionsprofiteure, die  ihre ohnehin starke Position durch gute Lobbyarbeit mit den ihnen zufließenden Subvention weiter festigen…), aber es gibt auch Beispiele, wo Subventionen etwas überhaupt erst ermöglichen. Subvention, Zielsetzung und Evaluation gehören aber eng zusammen.
  1. Subvention kann in ganz unterschiedlichen Formen auftreten: Für die Künstler (Mindestgage? http://www.sueddeutsche.de/kultur/jazz-in-deutschland-mindestgage-fuer-musiker-1.1350761.) dürfte sie allerdings anders aussehen als für die Betreiber von Spielstätten, für die Veranstalter von Events oder für die Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen. Hier lohnte es sich, über Fördermöglichkeiten nachzudenken, die den Künstlern und der Jazzerziehung / Jazzkultur zugleich zugute kämen. Analog gilt es bei den Spielstätten genau zu überlegen, welche Subvention wirklich jazzförderlich ist: Bei dem einen Club könnte es eine Lärmschutz-Baumaßnahme sein, die ermöglicht, dass ein Jazzlokal im Zentrum bleibt, beim nächsten eine regelmäßige CD-Release-Reihe, beim wieder nächsten eine Veranstaltung mit Schulen usw.. Ob die Länder schon hinreichend kooperieren, wissen andere besser, ich hoffe es aber. Übrigens: In Berlin an der UDK gibt es ein sehr gutes, mit EU-Mitteln subventioniertes Programm, das Künstern vermittelt, sich besser zu positionieren und zu vermarkten. http://www.udk-berlin.de/sites/digimedial/content/digimedial_musik/index_ger.html Warum nicht exportieren?
  1. Subvention kann auch darin bestehen, Netzwerke zu fördern oder interessante Konzepte zum Austausch von „Best Practices“ zu fördern. An guten Ideen dürfte es nicht mangeln. Neue Plattformen zu nutzen, gute bestehende bekannt zu machen – damit ginge es schon mal los.

Nochmal: Nicht alles und jedes, was schwer verkäuflich ist, sollte subventioniert werden . Zwischen Kunst bzw. Jazz-Musik und Taxifahren besteht aber ein beachtlicher Unterschied. Derhat auch damit zu tun, dass in der Kunst eine Deutung unserer Wirklichkeit gegeben wird, beim Taxifahren aber eher nicht. Wenn Kunst sich weiterentwickeln soll, ist eine Marktorientierung weder nur gut, noch vollkommen schlecht. Hier etwas weniger reflexhaft und absolut, sondern im Sinne des Jazz experimenteller vorzugehen, wäre mir als Steuerzahlerin einen Groschen wert.

Und hier einige Auszüge aus den Argumenten der Xing Community  nach Argumenten geordnet (https://www.xing.com/de/communities/posts/aufruf-fur-alle-1001727715?page=1):

Ökonomische Rahmenbedingungen der Jazzclubbetreiber

Es ist ja nicht alleine das Publikum. Selbst mit rapellvoller Bude ist ein Club nicht „profitabel“ zu führen. KSK, Gema, Gagen, Hotel, Lärmschutz, Vereinsrecht, stiegende Mieten, weniger Vermieter, die auf Live-Musik Bock haben etc. Finanzämter, deren Kulanz (politisch gewollt) bei gemeinützigen Vereinen wegbricht und es immer mehr Betreibsprüfungen gibt …

Schlechtes Marketing bei Veranstaltern und Künstlern

Vielleicht waren aber auch die Veranstaltungen und Bemühungen Leute zum Hören von LIVE-Musik zu bewegen zu gering?

Vieleicht können die Musikveranstalter lernen, www für ihre Bedürfnisse zu nutzen und Kunden und Lieferanten zusammen zu bringen.

Die klassiker haben es schon besser raus sich zu vermarkten und vor allem sich über berufsverbände zu positionieren. das haben die jazzer jahrelang verpennt: musiker wie hochschulen, clubs, veranstalter aller art und plattenfirmen… so ist´s eben. da brauchen wir jetzt nicht ´rumheulen.

Etikettenschwindel

Was nützt mir eine Jazzveranstaltung, wenn dort Pop angeboten wird? Publikumsorientierung hin oder her.

Veränderter Musikgeschmack

Was gibts davon zu halten? Ich denke man muss den Wunsch des Publikums respektieren. Bei WDR 5 gab es vor einigen Jahren eine riesige Diskussion. Die These, dass Menschen, die gerne ein „anspruchsvolles“ Wortprogramm hören, auch Instrumental-Jazz mögen, ist einfach nicht mehr aufgegangen.

Nur an der Big Shots orientiertes Interesse des Publikums

Ich sehe das Problem beim Publikum, die Leute sind Stubenhocker. In unserem Bekanntenkreis kann ich die Leute nur übererden mit in den Club zu gehen wenn „grosse Künstler“ spielen.

Qualität und Zugang zu Top-Acts via: You tube & Co

Welcome to the Marktwirtschaft. Ich befürchte, auch ohne www wären die Bilanzen für die Clubs nicht besser. Meines Wissens hat in den 80igern auch kein Clubbesitzer die Audiocassette für die Schließung seines Ladens verantwortlich gemacht.

Schlechte Ausbildung

Ein Ausbildungsproblem! Leider ist auch im Jazz, die Ausbildung der Grund des Übels!

 

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