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Die Jazzpolizei

Der Jazzpolizei fehlt die Notrufnummer. Das ist ihr zentrales Problem. Jeder weiß, dass es sie gibt aber niemand kann sagen, wo man sie findet. Wie bei der Mafia, null Service-Orientierung und total retro. Ist doch wahr. Die Jazzpolizei soll  sich endlich eine ordentliche Hotline zulegen.  Aber pronto per favore.  „Guten Tag, Sie sprechen mit Hauptkommissar Meier von der Jazzpolizei. Wie kann ich Ihnen weiter helfen?“ Ideal wäre die Nullachthundertzweifünfeins.  Jeder  kann sich das einprägen, Jazzliebhaber sowieso. Also, liebe T-Kom-Helferlein, reserviert doch bitteschön vorsorglich schon mal die 0-800-II-V-I für die lieben Kollegen, Service geht bei Euch doch in 240 Zeichen! https://twitter.com/#!/search/telkom%20hilft

Über die Jazzpolizei kursieren allerhand Gerüchte. Bei  jeder Jamsession soll mindestens ein Undercover- Beamter im Publikum sitzen. Der typische Jazzpolizist ist männlich, weiß, gebildet, konservativ, europäisch und frustriert. Kurzum: beinahe die Hälfte der bundesdeutschen Bevölkerung besucht Konzerte in verdeckter Mission. Noch Fragen?

Nein ernsthaft, Jazzpolizisten sind Männer zwischen 50 und 60,  die partout glauben, dass nach Louis Armstrong  und Benny Goodman nur noch bekiffte Idioten am Werk waren. Degenerative Nichtskönner, die dem traditionellen, guten Jazz mit modernen Mätzchen, Drogen und schrägen Akkorden den Gar ausmachen. Vom Stomper zum Stümper eine einzige Verfallsgeschichte. Na schön, das war vielleicht ein bisschen arg. Immerhin gibt es Jazzpolizisten, die  Charly Parker und Miles Davis gelten lassen, aber dafür die 80er Jahre so richtig verdammen. http://www.laut.de/Jazz-%28Genre%29

Berührung mit der Jazzpolizei haben zahlreiche Künstler gehabt, von der Nachkriegsjazz-Legende Paul Kuhn bis hin zu Gretchen Parlato – sogar beim Internationalen Jazzfestival in Montreux. Aber die wenigsten sprechen gern davon. Als wärs so ’ne Art gelbe Karte. Beim Freejazz allerdings zieht der Jazzpolizist Rot. So nicht, Sportsfreundchen, raus aus dem Jazz, Abmarsch! Free ist definitiv der Anfang vom Ende. Keine Form, kein Thema, kein Halten.  Viel zu rauh, zu revolutionär, zu aggressiv, um noch Jazz zu sein.

Irgendwie kann man’s der Jazzpolizei nur schwer recht machen. Henning Sieverts verrät im Herrenzimmer, dass  die Jazzpolizei Till Brönner gerne vorwerfe,“  er mache gar keinen Jazz. Seine Musik sei zu glatt und ohne Aggressivität.“ http://bit.ly/OqwXBU

Manche Menschen sind aber doch froh, dass es die Jazzpolizei gibt, was hier nicht unterschlagen werden soll. Forumsteilnehmer nabatov zum Beispiel vermerkt, dass der Besucher eines Jazz-Festivals sein Eintrittsgeld zurückforderte, weil die Musik für ihn kein Jazz gewesen sei. Wynton Marsalis – der Konservativste unter den Modernen – versuchte angeblich mit ein paar seiner eigenen Cds zu retten, was zu retten war. Wenig genug: Als man dem verärgerten Zuhörer die Rückzahlung verweigerte, holte er die Polizei.

Und die Moral von der Geschicht? Lieber erst mal hinhören, auch bei der Jazzpolizei. Es gibt sie nämlich doch. Ihre Mission? „Stets im Einsatz gegen das organisierte  Erbrechen…“  oder wie die Band von sich selbst sagt, als „spektakuläre Alternative zu Beamtenjazz  und Halbglatzenswing“.  Hier gehts zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=qYR0AYKpJys
Jetzt frag ich mich doch : Wer schreibt eigentlich bei Wikipedia den Artikel  Klamaukjazz?!

http://www.youtube.com/watch?v=qYR0AYKpJys&feature=relmfu
http://www.kurzefrage.de/musik-partyzone/265171/Dass-es-eine-Jazz-Polizei-gibt-weiss-ich-gibt-es-denn-auch-eine-Rock
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1493965/
http://www.m.news.de/medien/855172636/paul-kuhn-haelt-nicht-viel-von-bloeden-basedrums/1/
http://www.herrenzimmer.de/2007/01/22/melanchophon-mark-wyand-eye-to-eye/
http://www.jazzcity-net-edition.de/jazzpolizei/39-jazzpolizei/517-ach-fas
http://www.laut.de/Jazz-%28Genre%29

http://feedback.telekom-hilft.de/#

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KürzesterJazzer-Witz

Was sagt der Rockmusiker zum Jazzer?
„Zum Flughafen, bitte!“

Fünf typische Ansagen und was der Sessionleiter wirklich damit meint

Er  ist Moderator, Seelentröster, Schiedsrichter und Publikumsanwalt. Der Sessionleiter oder Master of Ceremony (MC) sorgt dafür, dass die Jamsession gut über die Bühne geht. Weil er das erste und letzte Set mit seiner eigenen Band spielen kann, nimmt er die Zeit dazwischen – die eigentliche Session – wohl oder übel in Kauf.

Fünf typische Ansagen hat er fest im Repertoire, aber wie echte Diplomaten sagt auch er nur das laut, was er nicht denkt:

„Was wollt ihr denn machen?“ [Die Frage ist überflüssig, der MC weiss ohnehin, dass er bei der Antwort sehr tapfer sein muss: Autumn leaves, Blue Bosssa, Mercy, mercy, mercy. Vor seinem inneren Auge läuft die Playlist, Korrektiven werden bald für alle sichtbar.]

„Wir machen jetzt eine kurze Pause und dann geht’s weiter!“ [Seine Ohren tun weh, sein Magen braucht als Ausgleich: das Freigetränk, seine Gage.]

„Ach, dann machst du das eben beim nächsten Mal!“ [Zum Schein mitfühlend an enttäuschte Sängerin – der MC hat für seinen Geschmack schon genug von ihrer Spezies ausgehalten.]

 „So, das ist dann das letzte Stück!“ [Der Mc verliert nie die Nachbarn mit der Kurzwahltaste zum Polizeinotruf aus dem Blick. Alle anderen, die sich grade eingegroovt haben und finden, dass die Session jetzt erst richtig gut wird, sind natürlich baff.]

„Vielen Dank, ich hoffe, der Abend hat Ihnen genauso viel Spaß gemacht wie uns!“ [Der MC ist froh, dass Musik  zu den flüchtigen Künsten gehört. Dabei hat sich das Publikum gut amüsiert und alle falschen Akkorde für großartigen Jazz oder tief gefühlten Blues gehalten.]