Sprechen oder Spielen? Das ist hier die Frage!

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Die Jam-Session lebt vom Experiment. Neue, ungewohnte, ja womöglich riskante musikalische Improvisationen sind keine Seltenheit. Gründe gibt’s viele: Manchmal sind die Stücke, die vorgeschlagen werden, nicht ganz geläufig, manchmal werden sie in einer unüblichen Tonart gespielt oder es passiert irrtümlich ein Versehen, das dann musikalisch interessant wird.

Klar, dass das kommentiert wird, nicht nur vom Publikum, sondern auch von den Musikern auf der Bühne. Kleine Gesten lassen erkennen, dass es den Mitspielern nicht entgangen ist. Teilweise wird auch ganz ungeniert laut das Gespräch gesucht, meist mit dem Nächststehenden. Bei keinem Konzert erlebt man so viel Austausch, wie  während einer Session. Die Stücke, die Tonart, das Tempo, die Reihenfolge der Solos, ob und wie viele Takte die Rhythmusgruppe voraus spielt – all das muss geklärt werden. Je unprofessioneller die Teilnehmer, desto länger kann’s dauern, einfach, weil die gemeinsame Schnittmenge nicht groß genug ist. Sicher, auch bei professionellen Spielern braucht es Absprachen. Meistens aber sind sie schneller getroffen.

Prinzipiell ist das Gespräch also nicht wesensfremd, es unterstreicht vielmehr den experimentellen Charakter jeder Jam-Session. Es darf also gesprochen werden, warum auch nicht. Nervig allerdings ist es, wenn Dauerquatscher auf der Bühne stehen. Sie machen nicht nur ihr eigenes Solo zum ausführlichen und leider auch lauten Gesprächsthema, sondern oft auch das der anderen und kommen von Hölzchen auf Stöckchen.

Mich persönlich nerven diese Spieler und ich versuche, möglichst nicht in ihrer Nähe zu stehen. Aber ihnen zu entkommen, ist mitunter unmöglich. Ich empfinde ihr Verhalten als unmusikalisch und unkollegial. Sie lenken mich vom Zuhören ab, sie stören die Konzentration der anderen Solisten und sie verhindern, dass alle auf der Bühne das tun, was sie sollen: die ad-hoc-Band und ihre Spieler so zu stützen, das jedes Mitglied das Beste aus dem Moment geben kann.

Möglichkeiten dazu gibt es viele: Es kann ein Riff sein, das ein Musiker spontan entwickelt und in das andere einsteigen, um noch stärker mit einem Solisten zu interagieren, es kann eine melodische Umspielung des Themas sein  oder schlicht und einfach die Energie der Konzentration. Nach dem Energieerhaltungsgesetz, das Etwas nicht zu Nichts werden kann.

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