Ähm, ja, sozusagen….Die Sessionmoderation

Ein melodiestarker Trompeter und begnadeter Entertainer wandte sich nach etwa fünf Liedern an sein Publikum mit den Worten: „Wir kommen jetzt zum ersten Höhepunkt des Abends…..“ Wow, das waren doch schon lauter gute Stücke mit fantastischen Improvisationen! Läßt sich sowas steigern? Mucksmäuschenstill verharrte das Sessionpublikum: „Der Pause!“

Gewiss, nicht jedem fällt es zu, unterhaltend, souverän und obendrein authentisch mit seinem Publikum zu parlieren. Dennoch, häufig lässt sich beobachten, dass  die Moderation zwischen den Stücken einer Session vergleichsweise stark von der Güte der gehörten Musik abweicht.,

Mehr wissen, mehr hören, mehr merken
Damit verschenken Musiker und Sessionmacher Chancen. Denn durch gute Ansagen kann der musikalische Genuss steigen. Genau wie bei einem Gemälde gilt: je mehr man darüber weiß, desto mehr sieht, hört und versteht der Rezipient. Bei Sessions ist es oft so, dass die Musiker spontan beraten, welches das nächste Stück sein soll. Hin und wieder erfordern die wechselnden  Musiker oder  ein Instrumenten-Tausch Pausen, die  sich durch gute An- und Ab-Moderationen leicht auffangen ließen. Stattdessen muss das Publikum relativ lange warten und versteht womöglich akustisch nicht, was vorne passiert. Zwar schätzt das Sessionpublikum die Atmosphäre des Improvisatorischen , daher sollten Sessions auf keinen Fall zu straff organisiert werden. Das  kurze Gespräch mit dem Publikum bietet jedoch vielfältige Anlässe, um die Künstler, die Macher, den Jazz oder auch nur den Sessionort zu profilieren. Ist das Session-Konzept besonders innovativ oder besonders traditionell? Treten bevorzugt alte Hasen auf und bieten Solides oder ist es ein Ort für  junge Künstler? Ist es ausschließlich von und für Musikstudenten konzipiert? Was ist wichtig? Welche Botschaft soll das Publikum zusätzlich zu den musikalischen Aussagen mitnehmen? Es soll ja wiederkommen und möglichst durch Empfehlung für neue Zuhörern sorgen.

Mit wenig viel sagen
Im Grunde scheint alles recht einfach. Keiner kennt die Musik besser als die Künstler, auch die Set-List bestimmt die Opener-Band selbst. Daher sollte niemand die Session besser moderieren können. Dennoch ist oft genau das Gegenteil der Fall! Daher lohnt es, sich um die Moderation vorab stärker zu kümmern und sie zur profilierenden Ansprache zu nutzen.  Mit Augenmaß natürlich. Nichts ist abturnender als ein plumper Marketing-Sprech. Nein, es geht um kleine, intelligente Imagebausteine, die hier und da gesetzt werden und auf strategischen Vorüberlegungen zur Profilbildung beruhen. Wer weiß, was er mitteilen will, kann auch die Moderation bei Sessions und Konzerten souverän dazu nutzen. Gerade, weil Musik asemantisch ist, kann die Sprache helfen, den Zuhörern „Begriffe“ an die Hand zu gebe, mit denen sie von der erlebten Session berichten und sie für sich selber – als Profil der Band, der Sessionmacher – abspeichern. Weitere Anregungen für Künstler und die Bandprofilbildung im besonderen finden sich unter den unten angegebenen Links.

Zettelwirtschaft? Tesafilm, statt Improvisation
Wer nicht über ein natürliches Talent im freien Sprechen verfügt, für den hilft nur Üben. Spiegel, Kamera, Freundin, Oma – wer immer grade da ist, kann zum ersten Probepublikum werden. Noch ein letztes zum Thema Spickzettel und Nervosität. Vor einiger Zeit war ich im Lyrik-Kabinett beim Poetry-Slam. Zimbabwes bekanntester Spoken-Word-Poet „Outspoken“ – ein Bühnenprofi – fiel mir dadurch auf, dass er als erstes seinen Moderationszettel ans Mikro klebte. Das war natürlich schon so was wie die erste Nummer, und es hat funktioniert. Näher und besser vor Augen kann man die eigenen Anmerkungen und Eselsbrücken nicht haben.  Im Zweifel hilft auch, Kopien des Spickzettels in alle (!) Taschen des Jacketts oder der Hose zu stecken, die man finden kann. Einen verliert man in der Nervosität immer…

Hier die Links:

http://profilitas.wordpress.com/2012/10/04/der-kunstler-als-markenpersonlichkeit/

http://de.slideshare.net/ElviraSteppacher/presentations

http://profilitas.wordpress.com/2012/10/12/das-konzert-zur-profilbildung-nutzen/

http://profilitas.wordpress.com/2012/10/29/buhnenperformanz-gehort-ins-erste-semester-was-musiker-von-schauspielern-lernen-konnen/

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